Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit

Rezension von Gerfried Pongratz Mai Thi Nguyen-Kim: „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ © 2021 Droemer Verlag, München, ISBN 978-3-426-27822-2, 368 Seiten.

Mit dem Untertitel „Die größten Streitfragen wissenschaftlich geklärt“ legt die mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrte 33-jährige Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim ihr zweites Buch vor, das schon nach kurzer Zeit Bestsellerstatus erlangte und für den Sachbuchpreis 2021 nominiert wurde. Der promovierten Chemikerin ist es ein Anliegen, an der „zunehmend verschwimmenden Grenze zwischen Fakten und Meinungen“ sowie der „Informations- und Desinformationsüberflutung in sozialen Medien und der scheinbar unerschütterlichen Realitätsfeindlichkeit mancher Menschen“ ein Zeichen der Aufklärung zu setzen. Unter den Gesichtspunkten „Wahr, falsch, plausibel?“ vermittelt sie neben grundlegendem Wissen auch Verständnis für wissenschaftliche Methodik, als Voraussetzung, sich sachlich fundiert eigene Meinungen bilden zu können.

„Dass wir uns immer mehr von einem gemeinsamen Verständnis von Wirklichkeit entfernen, müssen wir dringend ändern“. In der aktuellen Debattenkultur dominiert „Schwarz-Weiß“, viele Fronten sind verhärtet. Seit Jahrzehnten kontrovers diskutierte Themen polarisieren in der Öffentlichkeit, Laien verlieren bei der Vielzahl unterschiedlicher Wortmeldungen sehr leicht den Durchblick. Hinzu kommen in Medien und sozialen Netzwerken oft Fakes, Halbwahrheiten und Verschwörungsmythen, die einfache Antworten und Lösungen zu komplexen Fragestellungen und Problemen versprechen und damit in die Irre führen. „In diesem Buch will ich mich auf die Suche begeben, auf die Suche nach der kleinsten gemeinsamen Wirklichkeit. Nur wenn man bei einem Streit auf dem Fundament einer gemeinsamen Wirklichkeit steht, funktioniert Streit, funktioniert Debatte“.

„Wozu auf die Wissenschaft hören, hat sich so mancher während der Corona-Pandemie gefragt, die irren sich doch eh ständig. Dabei übersehen wir, dass der Unterschied zwischen jemandem, der immer recht hat, und jemandem, der oft irrt, oft nur darin liegt, dass Letzterer seinen Irrtum einsieht.“

In 9 Hauptkapiteln des Buches werden „Die Legalisierung von Drogen“, „Videospiele und Gewalt“, „Gender Pay Gap“, „Big Pharma versus Alternative Medizin“, „Wie sicher sind Impfungen?“, „Die Erblichkeit von Intelligenz“, „Warum denken Frauen und Männer unterschiedlich?“, „Sind Tierversuche ethisch vertretbar?“ sowie „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ behandelt, in 60 Unterkapiteln wird dazu eine Fülle von damit verbundenen Fragen und Themen, wie „systemrelevante Berufe“, „Care-Arbeit“, „Lohngerechtigkeit“, „Homöopathie“, „klinische Studien“, „Impfpflicht“, „Gene versus Umwelt“, „Corona“, „Klimawandel“ erläutert. Mai Thi Nguyen-Kim taucht dabei tief in die Materie ein und zeigt anhand von Studiendesigns und Untersuchungsmethoden, wie die Wissenschaft zu ihren (mehr oder minder) signifikanten Aussagen kommt. Es ist ihr dabei wichtig, Scheuklappenblicke aufzuweiten und mit Denkanstößen darauf hinzuwirken, jede Sache von mehreren Seiten zu betrachten.

Didaktisch anregend beginnt jedes Hauptkapitel des Buches mit einer Fangfrage, die zum Grübeln anregt und eigene Auffassungen reflektieren lässt, zahlreiche Infoboxen für wissenschaftliche Inhalte und Fachbegriffe sowie farbig hervorgehobene Kernaussagen im Text erleichtern und vertiefen das Verständnis des Gebotenen. Um einschätzen zu können, inwieweit die in diversen Medien verbreiteten Inhalte richtig, oder eher falsch sind, ist es neben vorhandenem Wissen auch notwendig, Daten, Studien und Statistiken korrekt interpretieren zu können. Dass wissenschaftlicher Konsens nicht in „Stein gemeißelt“, sondern bei neueren Erkenntnissen änderbar ist, versteht sich dabei von selbst; der Autorin ist es wichtig, auch Verständnis für wissenschaftliche Fehlerkultur – für das Prinzip des Falsifizierens – zu vermitteln.

Aus der Vielzahl an Themen einige Beispiele:

  • Lieber fehlerhaft als gar keine Wissenschaft?
  • Warum Aggressionsforschung besonders kompliziert ist
  • Die verlockende Suche nach einfachen Antworten
  • Zwischen gesunder Skepsis und Verschwörungsmythen: Genaue Lupe für alle!
  • Wirksamkeit ist das, was du daraus machst
  • Warum die Anzahl unserer Finger weniger erblich ist als das Ergebnis eines IQ-Tests
  • Drei Gesetze für die Genetik komplexer Persönlichkeitseigenschaften
  • Die große „Matschepampe“ aus Genen und Umwelt
  • Dieser Abschnitt verändert dein Gehirn – denk mal darüber nach
  • Müssen Tierversuche wirklich sein?
  • Warum wir eine kleinste gemeinsame Wirklichkeit brauchen
  • Falsche Bilder von „Wissenschafts-Religion“ und „Cancel Culture“
  • Die Kunst des wissenschaftlichen Konsenses:
    Ein wissenschaftlicher Konsens ist keine Abstimmung und wissenschaftlicher Konsens verändert sich mit neuen Erkenntnissen
  • Der wissenschaftliche Spirit:

Wissenschaftliches Denken, wissenschaftliche Methoden, wissenschaftliche Fehler- und Diskussionskultur

  • Der Debattenfehlschluss:
    „Wissenschaftlichkeit heißt nicht, weniger zu streiten, sondern besser.“

„Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ bietet interessierten Leserinnen und Lesern nicht nur eine Vielzahl neuer, bzw. vertiefender wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern regt auch inspirierend zum Nachdenken und Hinterfragen eigener Anschauungen an. Die Autorin klammert dabei nicht aus, dass es auch Aspekte bei der Beantwortung von Fragen gibt, die keine Antwort erlauben, wenn man nicht unwissenschaftlich, bzw. populistisch sein will. Lebensnahe Beispiele und eine Vielzahl aussagestarker Abbildungen erleichtern das Verständnis. Manche Kapitel erfordern etwas Vorwissen und Durchhaltevermögen; dazu auch ein gewisses Maß an wissenschaftlichem Denken, die sehr umfangreichen Anmerkungen und Erläuterungen im Anhang helfen dabei. Alle Abschnitte, bzw. Themen des Buches können problemlos einzeln für sich gelesen werden, es kann somit auch als Nachschlagewerk dienen. Mai Thi Nguyen-Kims Ausführungen verdeutlichen, wie Wissenschaft funktioniert und wie und wo es dabei zu Konflikten mit der Gesellschaft kommen kann. Dass sie ein Medienprofi mit hervorragendem Kommunikationsstil ist, wird in der sehr professionellen Vermittlung auch sperriger und komplizierter Inhalte deutlich: In klarer, erfrischend humorvoller Schreibweise nimmt sie den Leser, die Leserin fesselnd, unterhaltend – auch anspruchsvoll – mit. Uneingeschränkte Leseempfehlung!

Viele der im Buch behandelten Themen werden von Mai Thi Nguyen-Kim auch in ihrem YouTube Kanal „maiLab“ audiovisuell präsentiert – „maiLab“ verzeichnet bis dato 1,26 Mio Abonnenten bei 176 Videos; darunter „Corona geht gerade erst los“, als mit 6,6 Mio Aufrufen erfolgreichstes YouTube Video des Jahres 2020.

Gerfried Pongratz 4/2021




HLS aktuell: Ein Jahr nach dem Karlsruher BVerfG-Urteil

WEIMAR. (fgw) Wie schon gute Gewohnheit geworden, konnte auch zu diesem Quartals- wechsel die aktuelle Ausgabe der DGHS-Vierteljahreszeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS) pünktlich ihre Leserschaft erreichen. Die DGHS – das heißt ausgeschrieben Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. – versteht sich als Menschenrechts- und Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung. Schwerpunktmäßig geht es in der Heft-Ausgabe 2-2021um viele Fragen und Vorschläge, die nach dem Karlsruher Urteil zur Sterbehilfe auf der Tagesordnung stehen.

Für den Rezensenten ist aber ein ganz anderer Beitrag notwendiges Schwerpunktthema. Dazu führte HLS-Redakteur Oliver Kirpal ein längeres Interview mit dem DGHS-Präsidenten Prof. Robert Roßbruch („Das Leben ist nichts Statisches, sondern ein Prozess“; S. 11-23). Darin heißt es einleitend:

»Die unmittelbare Angst vor dem so genannten neuartigen Coronavirus ist vorbei. Wir lernen jeden Tag mehr von ihm kennen, wie es wirkt, was es mit uns macht und wie wir bestmöglich eine Infektion verhindern könnten. Wir richten uns ein mit dem Virus – so gut wie wir es vermögen. Vielmehr ist nun interessant, wie wir mit den schlimmen Auswirkungen der Pandemie umgehen. Was passiert mit den überlasteten Krankenhäusern, geht die angedachte Impfstrategie auf, wann stehen Schnelltests flächendeckend zur Verfügung, wie geht es mit dem Kulturbetrieb, den Gaststätten und dem Einzelhandel weiter und werden wir Deutschen je alle Schulden aus der Pandemiezeit wieder tilgen können?

Wurden Anfang 2020 zu Beginn der Pandemie fast ausnahmslos Virologen und Epidemiologen zur Einschätzung der Lage befragt und berieten die Politik, kommen nun vermehrt auch Soziologen (…) zu Wort.

Aber was sagen die persönlich Betroffenen zu alldem? Was sagen diejenigen, die tatsächlich mit Covid-19 infiziert waren – oder sind? Was ist ihre Meinung zum gesellschaftlichen Umgang mit der Pandemie, wie gehen sie selbst damit um? Hat die Erkrankung bei ihnen ein Umdenken ausgelöst, ihre Sicht auf das Leben verändert?

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e. V., RA Prof. Robert Roßbruch, war an Covid-19 erkrankt. Wie er diese Zeit erlebt hat und was sich für sein ehrenamtliches Engagement dadurch geändert hat, erzählt er in diesem Interview.«

Und gerade das hebt diesen Text aus der massenmedialen Behandlung des wirklich alle Menschen berührenden Themas heraus: Ein wirklich Betroffener darf sein eigenes Erleben darlegen und seine darauf beruhende Meinung sagen!

Zum eigentlichen Heft-Schwerpunkt äußert sich der DGHS-Präsident in seinem Editorial:

»Vor einem Jahr, am 26.2.2020, hat das Bundesverfassungsgericht mit seinem historischen Urteil § 217 Strafgesetzbuch (StGB) für verfassungswidrig und nichtig erklärt. (…) Nunmehr liegen zwei Gesetzentwürfe aus der Mitte des Bundestages vor. (…) Beide Gesetzentwürfe zeichnen sich durch einen liberalen Ansatz sowie eine im Zivilrecht anstelle einer im Strafrecht implementierten Regelung der Suizidassistenz aus.

Darüber hinaus liegt von einer Gruppe von Wissenschaftlern ein Gesetzentwurf zu einem umfassenden eigenständigen Sterbehilfegesetz (sog. Augsburg-Münchner-Hallescher- Entwurf) vor.

All diesen Gesetzentwürfen ist aber auch zu eigen, dass sie von einer Beratungspflicht ausgehen. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil aber nicht ein einziges Mal den Begriff Beratungspflicht verwendet. Es spricht lediglich von Beratung und einer (ärztlichen) Aufklärungspflicht.

Die meisten Freitodwilligen, die ihr Leben autonom und selbstbestimmt geführt haben, werden sich jedoch dagegen verwahren, sich von einem Dritten (Arzt, Gutachter, Beratungsstelle oder gar einer Kommission) gegen den eigenen Willen beraten zu lassen, um eine Bescheinigung zu erhalten, die es ihnen ermöglicht, eine letale Dosis eines freitodgeeigneten Medikaments verschrieben zu bekommen. Daher liefe nach unserer Rechtsauffassung eine Beratungspflicht auf eine Begründungs- und Rechtfertigungspflicht des Freitodwilligen hinaus. Die freiverantwortliche Entscheidung über das eigene Leben bedarf jedoch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber gerade „keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung“. (…)

Sollte die Beratungspflicht tatsächlich gesetzliche Realität werden, so werden wir – vorbehaltlich einer Entscheidung des Präsidiums – erneut das Bundesverfassungsgericht anrufen.« (S. 3)

Zur Erinnerung, das Bundesverfassungsgericht hatte geurteilt, daß es zum Persönlichkeitsrecht des Menschen gehört, selbst über das eigene Leben zu bestimmen und dafür auch die Hilfe von Dritten, sofern sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen. Als Helfende sind vor allem Mediziner im Fokus, die auf dem kommenden Deutschen Ärztetag im Mai eine diesbezügliche Grundsatzdebatte planen. Noch herrscht bei den Landesärztekammern ein berufsrechtlicher Flickenteppich. Darüber berichtet die HLS auf den S. 5-6 unter der Überschrift: „Wie weit geht künftig der ‚Beistand für Sterbende‘?“ Ferner fragt die HLS „Bald mit dem Beratungsschein zum Freitod?“ (S. 7-8) und stellt dazu kurz die drei vorliegenden Gesetzentwürfe vor. Kommentiert wird diese Gesetzgebungsdebatte von Rechtsanwalt Wolfgang Putz und dem Arzt Dr. Michael de Ridder: „Freiverantwortlichkeit nur mit Beratung?“ (S. 9-10) Beide erteilen den Überlegungen von Bundestagsabgeordneten und Hochschulprofessoren, eine verbindliche Pflicht zur Beratung einzuführen, eine klare Absage. Zur „Ambivalenz und Normalität von Sterbewünschen“ äußert sich mit Bezug auf eine öffentliche Anhörung des Ethikrates Dr. Manfred von Lewinski in seiner Kolumne auf den S. 33-34. Darin heißt es abschließend:

»…bekanntlich macht ein sicherer Zugang zu einem suizidalen Ausweg nicht selten schweres Leid sogar besser ertragbar.

Wer vor diesem Hintergrund gleichwohl seinem Leben ein Ende setzen will, und daran auch nach Beratung zur Abklärung von Suizidabsichten festhält, dem wird man deshalb zubilligen müssen, dass dies eine Entscheidung ist, die im Rahmen seines Selbstbestimmungsrechtes seiner eigenen Verantwortung überlassen bleiben muss.«

Rechtsanwalt Dr. Oliver Kautz schreibt in seinem Artikel „Schutzpflichten der Pflegeheime“ über einige aufsehenerregende Gerichtsurteile zur Haftungspflicht von Senioreneinrichtungen, um Stürze von Bewohnern möglichst zu verhindern oder wenigstens zu vermindern. (S. 14-15).

In der Rubrik „Aus den Regionen“ wird aus dem Vereinsleben in Freimersheim, Leipzig und Worms berichtet. Dieter Birnbacher, Siegfried R. Krebs, Wega Wetzel und Claudia Wiedenmann stellen je ein von ihnen gelesenes Buch vor. Im „Blick über die Grenzen“ sind sechs Nachrichten aus Portugal, der Schweiz, Spanien und den USA zu lesen. Leserbriefe und Veranstaltungstips runden die Zeitschrift wie gewohnt ab.

Mehr zur DGHS und ihrer Zeitschrift gibt es auf deren Webseite zu lesen.

Siegfried R. Krebs




Leer gepredigte Kirchen

Darüber wurde am 31.3.2021 auf katholisch.de berichtet, der Augsburger Bischof Bertram Meier hat diese Meinung, hier der Text von katholisch.de mit atheistischen Anmerkungen:

katholisch.de: Bischof Meier: Unsere Kirchen wurden „leer gepredigt“ – „Oberflächliches Gerede“ helfe den Menschen wenig
Wegen Corona sind die Gotteshäuser momentan vielorts leer. Von der Pandemie abgesehen, sei das kein Zufall, betont der Augsburger Bischof Bertram Meier. Das liege auch am „oberflächlichen Gerede“ mancher Priester und Diakone.
Atheistische Anmerkung: Mag schon sein, dass auch die Redefähigkeit eine Rolle spielt, die Hauptrolle an den geleerten Kirchen spielt natürlich die säkulare Welt, in unseren Breiten ist erstens der katholische gesellschaftliche Druck weitgehend verwichen, der spielt nur noch im Traditionellen, also bei Geburten und Begräbnissen eine Rolle, zweitens sank auch der Bedarf an Göttern in der modernen Welt tief ab, wie hier schon endlos oft geschrieben: wenn man krank wird, dann braucht man keine Gotteshilfe mehr, weil die moderne Medizin kann jeder ja im Wege seiner Krankenversicherung benutzen, beten werden wohl nur noch unheilbare Kranke und bei denen nutzt das ja auch nichts. Ob der Pfarrer oberflächlich oder bedeutsam redet ändert da nichts.

katholisch.de: Nach den Worten des Augsburger Bischofs Bertram Meier gibt es auch jenseits der Corona-Krise Gründe für die momentan leeren Kirchen. „Sie wurden auch ‚leer gepredigt'“, sagte Meier bei der Chrisammesse am Mittwoch im Augsburger Dom. Er hoffe, dass das aktuelle Bild nicht die Zukunftsprognose für die Kirche nach Corona sei. „Doch ganz ehrlich muss ich auch sagen: Von Corona abgesehen, sind unsere Kirchen nicht zufällig leer.“ Das „oberflächliche Gerede mancher Priester und Diakone“ helfe den Menschen wenig.
Atheistische Anmerkung: Die Chrisammesse wird traditionell in der Karwoche gefeiert, dabei werden vom Bischof Öle geweiht und anschließend an die Gemeinden verteilt, wo sie zur Spendung der Sakramente verwendet werden. Meinereiner muss ja ja auch hin und wieder eine Messe besuchen, wenn nämlich bei einem Verstorbenen nur eine Messe zur Verabschiedung stattfindet, aber die Beisetzung anderenorts oder ohne geladene Trauergäste. Der Pfarrer redet da meistens übern Jesus, über den Verstorbenen hat er meist kaum was zu sagen, weil als Kirchgänger kannte er den Verstorbenen meistens nicht, also gibt’s nur ein paar Floskeln und die Bitte an den Jesus, dass er dem Toten das ewige Leben geben wolle oder solle. Unterhaltsam ist dabei auch immer, dass der Pfarrer die Messbesucher auch nicht kennt und diese während seiner Predigt regelmäßig mit Handbewegungen zum rituellen Aufstehen und Niedersetzen dirigieren muss. Und reden tut der Pfarrer eben vom aktuellen Evangelium des Tages, was die Zuhörer kaum interessiert…

katholisch.de: Meier warnte zudem vor einer Überhöhung des priesterlichen Selbstverständnisses. Sie sei ein Grund für den „Missbrauch von Machtverhältnissen zwischen Klerikern und den ihnen anvertrauten Menschen“. Die dem Priester durch die Weihe verliehene Vollmacht sei nicht identisch mit dem Anspruch Christi, Haupt der Kirche zu sein. „Sie ist übertragene Vollmacht, denn ohne das Fundament im Volk Gottes kann niemand seinen Dienst als Geweihter ausüben.“ Priester und Diakone seien „Werkzeuge, keine Kaste“. Damit wolle er keiner „Entsakramentalisierung der Weihe das Wort reden, sondern einer Entsakralisierung von Amtsträgern, die nicht in allem, was sie tun und lassen, sakrosankt sind“, so Meier. Denn sie blieben auch nach der Weihe Menschen.
Atheistische Anmerkung: Das ist ein schöner Satz: „Ohne das Fundament im Volk Gottes kann niemand seinen Dienst als Geweihter ausüben“, das ist nämlich das Grundproblem! Dieses Fundament fehlt eben! Erzwungen kann das Katholischsein nimmer werden und freiwillig wirklich Praktizierende sind eben heute nur noch eine kleine Gruppe. Und die Priester werden ja auch von Jahr zu Jahr weniger, in Deutschland gab es 1962 noch 557 Priesterweihen, 1970 noch 303 und 2020 nur mehr 57. Im Internet zu finden war dazu, dass Bischof Meier künftig mehr für das Priesteramt werben will: „Wir müssen den Mut haben, unaufdringlich und doch gezielt junge Menschen anzusprechen“, ja dann bringen Sie den Mut auf, wundern Sie sich aber bitte danach nicht, dass die Zahlen der Weihen trotzdem eher fallen als steigen…

katholisch.de: Jeder Getaufte repräsentiert Christus – Der Augsburger Bischof rief dazu auf, sich an „die gemeinsame Würde und die Einheit aller in dem einen Volk Gottes zu erinnern“. Jeder und jede Getaufte repräsentiere Christus. „Priester – und auch Diakon – wird man nicht für sich selbst, sondern immer für andere, für das Volk.“ Als Teil des Gottesvolkes verrichte der Priester einen Dienst an der Gemeinschaft. „Sein Dienst besteht darin, möglichst viele Getaufte zu befähigen, das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen.“
Atheistische Anmerkung: Ja, das wäre die Wunderlösung, jeder Katholik präsentiert den Jesus, das ist ja eigentlich die wichtigste Katholikenpflicht! Geben tut es diese Verkündungspflicht aber nur bei den Zeugen Jehovas, in der BRD gab es solche 2019 nur 165.393, das sind 0,005 der 32.271.500 Katholiken. laut Wikipedia sind in der BRD 27,2 % katholisch, 24,9% protestantisch und die stärkste Gruppe mit 38,8% sind die Konfessionslosen und die haben keine Kirchen in denen sie predigen!

katholisch.de: Gleichzeitig dankte der Bischof den Priestern seines Bistums für ihren Dienst seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr. „Neben der Verkündigung und dem Gottesdienst übertreffen viele von euch sich gegenseitig an Kreativität in Nächstenliebe und Caritas, um das Evangelium vom heilenden und tröstenden Gott den Menschen nahe zu bringen.“ Viele seien an die kirchlichen und sozialen Ränder gegangen, „aber auch an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit“. Dabei wandte sich Meier besonders an die Seelsorger in Krankenhäusern und Seniorenheimen, die „sich nicht scheuen, selbst gefährdet zu werden“.
Atheistische Anmerkung: Na und, was hat das den Leuten geholfen? Sind die Infektionen gesunken? Wurden die Leute schneller gesund? Hat der Jesus Impfungen organisiert? Helfen tut der Sozialstaat und kein Gott tut – mangels Existenz – da was! Und die leeren Kirchen sind jetzt ein Corona-Effekt und nach der Pandemie werden wohl auch die Messbesucherzahlen im Vergleich zu 2019 zurückgehen! Von 2017 auf 2018 verringerte sich die Katholikenzahl in der BRD um rund 300.000, von 2018 auf 2019 um 400.000. da wurde doch wohl von 2019 auf 2020 auch eine ordentliche Steigerung des Abgangs geschafft, aber die offiziellen Zahlen dazu gibt’s in der BRD erst im Sommer 2021.

Die Messbesucher werden auch wieder weniger geworden sein,
ein Hoch den leeren Kirchen! Amen!

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Katholische Wunschträume

Solche veröffentlichte domradio.de am 27.3.2021, von meinemeinen entdeckt am 31.3.. hier der Text plus atheistischer Anmerkungen:

Domradio: Schavan: Religion gewinnt an Bedeutung – „Mehr Neugier auf die Zukunft
Das Ende des Christentums? Religionen haben nach Worten der früheren Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, an Bedeutung gewonnen und sind in manchen Regionen „bedeutsame politische Faktoren“.
Es gebe „gute Gründe, nicht andauernd das Ende des Christentums zu beschwören“, schreibt Schavan in einem Gastbeitrag für die „Sächsische Zeitung“ (Wochenende). Vielmehr solle man sich mehr Gedanken über die Zukunft des Christentums machen und dabei auch seine Anfänge in den Blick nehmen: „Sie waren bescheiden und auch damals schon umstritten.“

Atheistische Anmerkung: Ja, es gibt noch Gebiete, wo Religion Bedeutung hat, speziell dort, wo sie Bedeutung zu haben hat, also im islamischen Herrschaftsbereich. Bei den Saudis und im Iran ist Religion der bedeutsamste politische Faktor! Im aufgeklärten Europa ist das heute ja wohl doch gänzlich anders!

Domradio: Nach 2.000 Jahren sei das Christentum bis in die jüngste Zeit hinein angreifbar, so die ehemalige Bundesbildungsministerin. „Die Kirchen haben Schuld auf sich geladen und bleiben immer wieder unter ihren Möglichkeiten – so wie wir als einzelne Christen auch.“ Zugleich habe das Christentum „zu allen Zeiten durch Menschen und ihre Berufung heilend und heilsam gewirkt, den Menschen und seine unverwechselbare Würde gegenüber jenen verteidigt, die davon nichts wissen wollen.“
Atheistische Anmerkung: Machen wir einen Blick auf die Realität, in Österreich waren 1951 waren 89 % der Einwohner katholisch, 2020 waren es nur mehr 54,44 %, in absoluten Zahlen waren es 1951 noch 6.170.084 und 2020 nur noch 4.907.354, die Bevölkerung hatte sich durch Fortpflanzung und Zuwanderung um rund zwei Millionen vermehrt (von 6,9 auf 8.9 Mio.). Die Prozentanteile sind auch speziell durch islamisch Zuwanderer weniger geworden. Dass heute Menschen durch das Christentum sozusagen aufgebaut werden, ist nicht wahrnehmbar, die meisten katholischen Kirchenmitglieder praktizierend ihren Glauben nimmer…

Domradio: Chancen der Tradition – Die Corona-Pandemie zeige den Menschen Schwächen auf, falsche Prioritäten und beschleunige Veränderungen. Schavan spricht von einer „Zeitenwende“. Gerade deshalb sei es auch eine Zeit, den grundlegenden Fragen des Lebens nicht auszuweichen und festzustellen, was künftige Prioritäten sein könnten.
Atheistische Anmerkung: Bisher war nichts davon wahrnehmbar, dass die Corona-Pandemie den Glauben gesteigert hätte, die Kirche hat ja nicht einmal versucht, ihren Gott zu bitten, den Virus zu vertreiben. Und die Mitglieder hatten das wohl auch kaum erwartet, es gibt noch die katholische Tradition, dass Babys getauft werden und so den Mitgliederbestand etwas sichern, aber im Alltag wird die Religion immer nebensächlicher.

Domradio: Dasselbe gelte auch für Kirchen, so die CDU-Politikerin. Es brauche „bei aller Liebe zur Tradition“ mehr Neugier auf die Zukunft. „Mehr noch: Die Tradition hat keine Chance, wenn sich nicht mehr Geistesgegenwart entwickelt für das Leben von Menschen heute, ihre Gedanken und Hoffnungen, ihre Sehnsucht und Einsamkeit, aber auch ihre Kreativität und Gestaltungskraft“, schreibt Schavan. Nicht nur präge der Glaube das Leben, sondern auch das Leben den Glauben.
Atheistische Anmerkung: Der Glaube prägt bei der großen Mehrheit der Leute das leben schon länger nimmer, der Wunsch der Frau Schavan, dass sich die Religion konkret zu den Alltagswelten wenden wird, ist wohl ein Wunsch, aber mit der Wirklichkeit hat das nix zu tun, die Leute warten auf keine alltäglichen Götter.

Domradio: Mit Blick auf Ostern betont Schavan: „Solidarität im Leiden ist die vielleicht stärkste Kraft, die von der Botschaft der nächsten Tage durch das Osterfest ausgeht.“
Atheistische Anmerkung: Frau Schavan sieht die Corona-Pandemie als Stifterin von Solidarität, kümmert tun sich um die Erkrankten allerdings die medizinischen  Einrichtungen und die Sozialversicherungsbereiche und nicht die Coronasolidarität. Wenn die Impfungen die Pandemie eingedämmt haben werden, dann bleibt in der Gesellschaft davon nichts übrig, katholische Wunschträume werden aber wohl in den noch vorhandenen Resten der echt katholischen Kreisen mittels anderer Themen weitergeträumt werden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Gibt es Medjugorje noch?

Man hört von diesem Pilgerort in Bosnien-Herzegowina kaum noch was. Dort soll die katholische Gottesmutter Maria 1981 Jugendlichen erschienen sein, vom Vatikan wurden diese angeblichen Erscheinungen nicht anerkannt, 2019 wurde jedoch das Pilgern nach Medjugorje gestattet.

Hier ein Google-Earth-Screenshot vom angeblichen Erscheinungshügel:
(Siehe Titelbild)

Im März 2020 ließ eine der angeblichen Marienseherin wissen, dass nunmehr die Maria nicht ihnen mehr tägliche Botschaften zumitteln werde, sondern ihnen nur mehr an jedem Monatszweiten erscheinen werde, drei der anderen Beteiligten sahen das nicht so, ihnen werde die Maria weiterhin erschienen, weil diesen noch nicht alle Geheimnisse von der Maria mitgeteilt worden wären. Was wohl kein Marienproblem, sondern ein Corona-Problem gewesen sein wird…

Aber machen wir einmal einen Blick auf die österreichische Homepage der Medjugorjeaner, hier ein am 30.3.2021 gemachter Screenshot:
 
Was sieht man links in der Ecke, wo es früher die täglichen Marienbotschaften gab? Die aktuelle Botschaft ist vom 25. Juni 2020! Brachte Corona die Maria zum Schweigen?

Mit einigem Herumklicken wurde dann doch noch eine aktuellere Botschaft der Maria gefunden, sie ist vom 25.3.2021:

Sie stammt allerdings von der lokalen Site aus Medjugorje und diese schaut so aus:

Sie ist also zehnsprachig, kroatisch im Original, die internationale Propaganda kommt wohl nicht mehr aus diversen Ländern, sondern vom Zentralkomitee Marias in Medjugorje…

Es gibt Medjugorje noch, aber der Corona-Virus hat 2020 die Pilgerfahrten abgedreht und darum ist auch die Maria schweigend geworden, weil Heilungswunder konnte die Gottesmutter ja auch keine bewirken…

Aber wenn dei Leute alle geimpft sind, dann dürfen die Geimpften wieder nach Medjugorje pilgern! Und die Maria wird wieder täglich ihre Botschaften verkünden lassen, darauf wird man wetten können!




Andreas Altmann: „Gebrauchsanweisung für die Heimat“

Rezension von Dr. Gerfried Pongratz: Andreas Altmann: „Gebrauchsanweisung für die Heimat“ © 2021 Piper Verlag, München, ISBN 978-3-492-27743-3, 220 Seiten.

Mein Hauptwohnsitz ist die deutsche Sprache, nebenbei wohne ich in Paris. Benötige ich mehrere, ja, viele „Dinge“, die man Heimat nennen könnte? Die Antwort ist so einfach: bestimmt!“ Andreas Altmann zählt zu den bekanntesten deutschen Reisebuchautoren, seine bildmächtige, überaus ausdrucksstarke Sprache, seine scharfe Beobachtungsgabe, seine radikal ehrlichen, dabei aber auch zärtlich poesievollen Schilderungen in nunmehr 24 Büchern haben ihm nicht nur zahlreiche Preise und Auszeichnungen, sondern auch eine Leserschaft, ja Fangemeinde, beschert, die jeder seiner Buch-Neuerscheinungen mit gespannter Vorfreude entgegensieht. Sein neuestes Werk kreist um den Begriff „Heimat – was das magische Wort auch bedeuten mag – muss sein. Der Mensch braucht Lichtquellen, einen Kreis, dessen Teil er ist, Sprache, die ihn behütet, andere Sterbliche, deren Nähe ihn stärkt, eine Gesellschaft, deren Vereinbarungen er grundsätzlich bejaht, eine Wohnung, in die er sich vor dem Rest der Menschheit zurückziehen darf“.

Andreas Altmann, ein ewig neugieriger Weltbürger, ein ständig Suchender sowie Wissen- und Lernenwollender, erzählt Geschichten über „Das Glück des Augenblicks“ (in der Sahara, in Galway, München, New York, New Delhi, Wien, Hanoi, Brazzaville, Mexico City, Paris), die er mit Berichten und Reflexionen über Deutschland, Musik, Sprache, Freunde, Heimat, Liebe, Tiere, Zen, Körper und Menschen ergänzt. Er lässt besondere Situationen, alltägliche und kuriose, zuweilen auch dramatische, miterleben, mitempfinden, er vermittelt Impressionen, die den Leser, die Leserin in die Mitte des Geschehens führen. Seine Beschreibungen enthalten Anekdotisches, gehen darüber aber weit hinaus; sie veranschaulichen nicht nur Erlebtes und berichten von besonderen Begegnungen, sondern beleuchten mit scharfer Beobachtung auch das jeweils Dahinterliegende, das sich oftmals nicht direkt Erschließende.

„Dass dieses Buch ein Heimatloser schreibt, ist eine gute Idee“. Heimat ist bei Altmann sehr viel mehr als ein geografischer Ort. In seinen Gedanken zu Deutschland wird dies deutlich: „Die Liebe zum eigenen Land ist immer gefährdet. Wie jede Liebe. Einige sind grundsätzlich bereit, sie zu schänden“.

Musik und Sprache als Heimaten: „Literatur schmiedet den Verstand, die kognitiven Fähigkeiten, die Intuition. Musik erledigt etwas anderes: den Rest, den ungeheuren. Wie ein Blitz fällt sie über uns her und braucht dazu kein einziges Wort“. Musik ist für Altmann ein innerer Zustand, an dem er Leser und Leserinnen teilhaben lässt, Sprache ist ihm „Das Leben einatmen und als Sprache ausatmen – es aufschreiben“. Für den Sprachkünstler Altmann ist Sprache “gefährliche Heimat, allerschönste Heimat“. Zwischen den Polen von Größenwahn und Ladehemmung verläuft die Linie eines Schreiberlebens“.

Freunde sind Heimat,Liebe ist Heimat, Tiere können Heimat sein, auch Zen (Altmann verbrachte 8 Monate in einem Zen Kloster in Japan) und ganz sicher der eigene Körper – „Kennt jemand eine intimere, eine lebenslänglichere Heimat als seinen Körper?

„Der Mensch braucht Menschen als Heimat“! Neben allem anderen sind es vor allem Menschen, die Heimat bedeuten: „Der unergründliche Mensch. Nach jeder Entdeckung eines seiner Geheimnisse geht eine Tür auf, die in die nächste Tiefe führt. Kein Ankommen scheint in Sicht zu sein“.

„Heimat soll wärmen!“ Wie ein Seismograf filtert Andreas Altmann seine Erlebnisse, Eindrücke, Empfindungen, Gedanken; es bedeutet Freude, mit ihm auf die Suche nach dem zu gehen, was Heimat sein, was Heimat schenken kann. Humorvoll verpackt, unverwechselbar im Stil, wunderbar authentisch, dabei sich selbst nicht schonend, präsentiert er die Welt und ihre Bewohner in all ihren Stärken und Schwächen: „Als Kind habe ich oft in den Nachthimmel gestarrt, fasziniert von den blitzenden Sternen. Später gab ich ihnen die Namen von Menschen, die mir zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten Heimat waren. Oder noch immer sind. Heimat als Synonym für Swing und gedankenlose Freude“.

Gerfried Pongratz 3/2021




China kritisiert Menschenrechtslage in den USA

Das war am 18. März 2021 auf einer chinesischen Site zu lesen

Chinas UN-Vertreter:
USA sollen Menschenrechtsverletzungen beenden  

Während seiner 46. Sitzung hat der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen am Mittwoch das Ergebnis der Teilnahme der Vereinigten Staaten an der länderspezifischen Menschenrechtsprüfung analysiert. In seiner Erklärung wies der Vertreter Chinas darauf hin, dass sich die Menschenrechtslage in den USA weiter verschlechtert habe. Er forderte die USA auf, unverzüglich alle Arten von Menschenrechtsverletzungen zu beenden und praktische Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Menschenrechtslage zu verhindern.

Der Vertreter erklärte, dass China bedauere, dass die Vereinigten Staaten die meisten sie betreffenden Empfehlungen, die China im Rahmen der länderspezifischen Menschenrechtsprüfung abgegeben habe, nicht angenommen hätten. China sei zutiefst besorgt über die anhaltende Verschlechterung der Menschenrechtslage in den USA gewesen. Während die Vereinigten Staaten es versäumt hätten, strenge Maßnahmen zur Verhinderung und Kontrolle der COVID-19-Pandemie zu ergreifen, die zu Hunderttausenden von Todesfällen geführt habe, schoben die Politiker der USA die Schuld anderen zu. Rassendiskriminierung und polizeiliche Brutalität seien in den Vereinigten Staaten immer noch sehr gravierend. Und die USA hätten den betroffenen Entwicklungsländern einseitige Zwangsmaßnahmen auferlegt, die in schwerwiegender Weise gegen das Völkerrecht verstoßen und zu einer schweren Menschenrechts- und humanitären Krise geführt hätten.

Der Vertreter Chinas forderte die USA auf, ihre Teilnahme an der länderspezifischen Menschenrechtsprüfung zum Anlass zu nehmen, alle Arten von Menschenrechtsverletzungen sofort zu beenden und praktische Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Menschenrechtssituation zu verhindern.

Auch Venezuela, Syrien und Weißrussland haben die Menschenrechtslage in den USA auf der Sitzung des Menschrechtsrates kritisiert.




Busfahrt

Gleichnishaftes zu Ausgrenzung und Selbstausgrenzung

Wenn du mit einem Omnibus mitfahren willst, wirst du in den Bus einsteigen müssen, denn der Bus kann nicht in dich einsteigen, kann nicht Teil von dir werden.
Oben auf dem Dach des Busses wird man dich nicht mitfahren lassen, auch wenn die Aussicht von dort, über allen anderen thronend, besser sein mag als im Bus, und auch sonst gibt es an den Außenseiten des Busses keine Mitfahrmöglichkeit.
Du wirst also in den Bus einsteigen müssen, wenn du mitfahren, wenn du dabei sein willst.
Falls du nicht zu nah bei anderen Fahrgästen sitzen magst, kannst du darauf hoffen, dass es einen Sitzplatz ohne Sitznachbarn gibt. Einen Anspruch auf einen solchen Platz kannst du jedoch nicht geltend machen.
Wenn du dich weigerst, in den Bus einzusteigen, dich also selbst ausgrenzt — dich selbst diskriminierst –, wird der Bus ohne dich fahren und du bleibst allein an der Haltestelle zurück. Als Opfer, als von anderen Ausgegrenzter, solltest du dich dann allerdings nicht sehen oder hinstellen, denn mit deiner Verweigerungshaltung grenzt du dich selbst aus. Lediglich für den Fall, dass dir die Mitfahrt ohne Angabe von Gründen oder ohne rechtliche Grundlage — in einem Akt der Willkür oder des Vorsatzes — verwehrt wird, kannst du die Opferrolle für dich reklamieren; siehe dazu u.a. den Beitrag «Herkunft, Abstammung, Religionszugehörigkeit und Fehlverhalten».

Für den Fall, dass du eingeschränkt bist und allein nicht in den Bus einsteigen kannst, wird man dir Hilfestellung anbieten.
Wenn du die Hilfe ablehnst oder dich gar dagegen zur Wehr setzt, wirst du es nicht in den Bus schaffen.
Dann fährt der Bus ohne dich und du bleibst allein zurück. Als Opfer, als von anderen Ausgegrenzter, … siehe oben.

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Beitragsbilder:
oben: Luxembourg,_bus_armée_(1).jpg
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unten: Kanachu-Hire_H-0617_wheelchair-lift.jpg
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Wort zum Sonntag, den 14.3.2021

Wort zum Sonntag, den 14.3.2021

Jh. 3,14-21: Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Heute geht’s also ums ewige Leben in Himmel oder Hölle, das Kapitel 3 endet bei Johannes mit dem Vers 36: „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.“ Die Hölle wird im ganzen Kapitel nicht konkret erwähnt, sondern nur angedeutet. Meinereiner käme also bestimmt in die Hölle, wenn es eine gäbe. Aber da wir nach dem Sterben alle tot und nimmer existent sind, kann uns das ja wuscht sein!

Aber die Jesusregeln sind jedenfalls recht klar und streng, wer nicht an den Jesus glaubt, kommt in die Finsternis, weil er ist deswegen schon gerichtet! Nach dieser Theorie hätte die Menschheit schlechte Perspektiven, weil Christen gibt’s weltweit etwa 2,3 Milliarden, Muslime ca. 1,6, Hindus 940 Mio. und Buddhisten 460. Die Weltbevölkerung lag 2020 bei rund 7,8 Milliarden, also sind mit Sicherheit 5,5 Milliarden, also rund 70 %, Finsterlinge, die nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes glauben! Dazu hätte dieser Gott vielleicht mehr Söhne zeugen müssen!

Aber vergessen wir nicht darauf, dass das Christentum nicht durch Mission, sondern durch das Kaiseredikt im römischen Reich von 380 zur Weltreligion wurde, die weit überwiegend nicht durch religiöse Agitation, sondern mit brutalster Gewalt verbreitet wurde, hier dazu wieder einmal die historische Illustration der südamerikanischen Christianisierung:

Wer nicht wollte, wurde geköpft oder aufgehängt und verbrannt, die kleinen Kinder wurden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes erschlagen…

Aber das Religionsgeschichtliche wie gewohnt nur nebenbei, was schreibt der Herr Bischof Schönborn heute in der Kronenzeitung und im Internet über seinen Gott und dessen Sohn?

Er schließt heute so: „Unser Planet Erde, der uns geschenkte Lebensraum, ist gefährdet. So schön, so zart, so zerbrechlich erscheint sie uns, aus dem Weltall betrachtet. Wir erleben immer deutlicher: Unsere Heimat Erde ist bedroht! So sehr hat Gott die Welt geliebt… Er will sie nicht richten, nicht zugrunde gehen lassen, er will sie retten. Und das geht nur, wenn seine geliebten Geschöpfe, wir Menschen, uns von Gott zur Besinnung und zur Umkehr bewegen lassen. Denn die Erde, unsere Lebenswelt, ist vor allem durch uns bedroht. Jesus sagt es in einem starken Bild: ‚Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Taten waren böse.‘ Um uns geht es also. Gottes Hilfe ist uns angeboten. Er hat alles darangesetzt, uns vor dem Unglück zu bewahren, das unser eigenes Fehlverhalten über die Welt bringen kann. Dazu ist Jesus gekommen. Dazu hat Gott ihn ‚in die Welt gesandt, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat‘, auch über den Tod hinaus. So wichtig sind wir Ihm.“

Zu schade, dass es keine Götter gibt! Aber Götter hätten ja gleich eine baufeste Erde schaffen können, die nicht so leicht beschädigt werden kann, sie haben es aber mangels Existenz nicht gemacht, sondern alles ist ein Teil der Evolution und damit müssen wir eben selber fertig werden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at





Wien: Abdullah-Zentrum wird geschlossen

Wien: Abdullah-Zentrum wird geschlossen

Das saudische Abdullah-Zentrum in Wien war auf der Site atheisten-info seinerzeit ein wichtiges Thema, im Oktober 2011 schrieb damals über die geplante Gründung dieser Einrichtung auf der atheisten-info-Site Amer Albayati:
„Man kann es kaum glauben: die Errichtung eines ultrakonservativen und fundamentalistischen wahabitischen Zentrums mit dem Namen König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog von Österreich, Saudi-Arabien und Spanien unterzeichnet. Doch die Beteiligung des äußert konservativen saudischen Klerus hat bereits im Vorfeld für eine Kontroverse gesorgt.
Seit am 15. April 2008 an der feierlichen Benennung des Muhammad-Asad-Platzes vor der UNO-City in Wien der Generalsekretär der König-Abdul-Aziz-Stiftung für Forschung und Archive, Fahad Samari, teilnahm, kursiert diese Idee.
Ausgerechnet dass berüchtigter wahabitische Saudi Arabien will den interreligiösen Dialog fördern mit Vertretern des Landes in dem unzählige Verfehlungen gegen die Menschenrechte bekannt sind und in deren religiöser Sekte alles Moderne verboten ist. In dieser Glaubensrichtung sind ja sogar alle Handlungen oder Verhalten verboten, die zu einer verbotenen Tat führen könnten. Bis vor kurzem waren Musik und Fernsehen, wegen des möglichen schlechten Einflusses verboten.“

Wikipedia: Am 13. Oktober 2011 wurde der Vertrag für die Einrichtung des Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog (King Abdullah bin Abdulaziz International Centre for Interreligious and Intercultural Dialogue – KAICIID) in Wien durch die Regierungen von Österreich, Spanien und Saudi-Arabien unterzeichnet. Das Zentrum selbst wurde dann am 27. November 2012 im Palais Sturany in Wien eröffnet.
Hier ist es (Screenshot Google Earth, siehe Titelbild):

Aber die Einrichtung unter der Regierung Faymann (SPÖ & ÖVP Koalition) blieb weiterhin umstritten, laut Wikipedia ging das dann so weiter: „Am 12. Juni 2019 verabschiedete der österreichische Nationalrat mit breiter Mehrheit eine Initiative, in welcher das Außenministerium Österreichs ersucht wird, das Amtssitz- und das Errichtungsabkommen für das König-Abdullah-Zentrum zu kündigen. Wenig später gab das Außenministerium bekannt, dass es den Beschluss des Parlaments umsetzen werde und alle dafür nötigen rechtlichen Schritte prüfe.“
Und abschließend schreibt Wikipedia: „Am 5. 3. 2021 erklärte KAICIID-Generalsekretär Faisal bin Abdulrahman bin Muammar, dass das Zentrum aus Wien in einer andere Stadt umziehen werde. Wohin war vorerst nicht bekannt. Als möglicher neuer Standort wurde Genf kolportiert.“

Das Zentrum einzurichten, war eine schleimige Schnapsidee gewesen, ein Staat wie Saudi Arabien, in dem es nicht einmal kleinste Religionsfreiheiten gibt, ein religiöses Dialogzentrum in einem Staat, in dem die Religionsfreiheit ein wichtiges Verfassungsrecht ist, einrichten zu lassen, war ein eklatanter Widerspruch in sich und wohl billigster Opportunismus! Saudi Arabien ist ja schließlich das Land mit der zweitmeisten Erdölförderung und den zweitgrößten Erdölreserven, da wird man ja noch lieb sein dürfen…

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Kirchenschrumpfungen

…beschäftigen dieser Tage die christlichen Kirchen in der BRD!

Über den Abriss von Kirchen schreibt am 27.2.2021 katholisch.de, es heißt dort u.a.:

„Wenn die Kirche Hand an ihre Gebäude legt, fällt das auf sie zurück“
Theologe: Mit Gebäudeverkauf oder -abriss zeigt Kirche eigenen Verfall
Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, Kirchen stehen leer, sind zu viel. Da liegt für viele Verantwortliche der Gedanke an Verkauf oder Abriss überzähliger Gebäude nahe. Das sei aber nicht der Königsweg, kritisiert der Marburger Theologe Thomas Erne. Der Direktor des EKD-Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Universität Marburg riet daher dazu, nur jene Gebäude zu verkaufen, „die nicht symbolisch aufgeladen sind“.

Zurzeit haben die beiden christlichen Großkirchen in Deutschland um die 50.000 Kirchen, der gemeinsame Mitgliederbestand liegt bei gut 42 Millionen, auf eine Kirche kommen somit knapp 850 Mitglieder. Der sonntägliche Kirchenbesuch liegt bei den Protestanten bei etwa 3 %, bei den Katholiken bei 10 %, somit kämen im Schnitt auf eine Kirche um die 55 Kirchgänger. In Kirchen haben aber jeweils ein paar hundert Leute Platz, da ließen sich also viele Kirchengebäude einsparen, wenn man rechnet, dass in einer Kirche im Schnitt sonntags vielleicht 200 Leute sitzen könnten oder sollten, dann wären schon um die 35.000 Kirchen weg!

Es gab ja bisher schon viele Kirchenstilllegungen, sie wurden zum Teil abgerissen, zum Teil für anderweitige Verwendungen verkauft, es gibt somit Abrisskirchen, Wohnkirchen, Bürokirchen, Werkstattkirchen usw., siehe Bilder:

Weitere Aussagen des Theologen Thomas Erne: „Mit dem Verkauf oder Abriss ihrer Gebäude kommuniziert die Kirche ihren eigenen Verfall. Wenn die Kirche Hand an ihre Gebäude legt, fällt das auf sie zurück.“

Es ist aber doch die fallende Mitgliederzahl und speziell die fallende Zahl der praktizierenden Kirchenmitglieder, die diese Probleme schaffen, die Kirche ist nicht der direkte Verursacher, sondern muss die Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung tragen. Und die gesellschaftliche Entwicklung passiert eben deshalb, weil die kirchlichen Lehren den Leuten immer egaler werden.

Wobei in den Ländern mit guten Sozialrechten auch diese Entwicklung stärker ist! Man vergleiche die USA mit den entwickelten europäischen Ländern! In diesen sichern die sozialen Pflichtversicherungen mögliche Probleme auf breiter Basis, man kann leben, ohne immer wieder Götter um Hilfe bitten zu müssen, in den USA haben Millionen nicht einmal eine Krankenversicherung, denen bleibt im Problemfall dann psychologisch als Hoffnung nur noch die Gnade Gottes! In den USA sind die meisten Leute sich selbst der Nächste, bei uns ist das auch so, aber nicht weil wir uns mittels eines erfolgreichen Egoismus sichern, sondern weil wir uns mit unseren Sozialversicherungsleistungen sichern!

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Die Corona-Schutzimpfung. Wie trenne ich die Spreu vom Weizen?

Gibt es eine Schutzimpfung gegen falsche Corona- Propheten?

Fühlen Sie sich nicht auch durch die zahlreichen Corona-Sendungen und einschlägigen Youtube-Videos gelangweilt? Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass dort selten wirkliche Fachleute auftreten sondern meistens Personen, die Sie eher in die Kategorie “notorische Selbstdarsteller“ und “PR-Clowns“ einordnen würden? Sie haben irgendwie das Gefühl, dass Ihnen hier über weite Strecken eine reine Wissenschaftsshow ohne wirklich wissenschaftliche Information geboten wird? Sie vergleichen diese Sendungen insgeheim mit dem klassischen Trash-TV, sozusagen ein Corona-Dschungelcamp für begrenzt talentierte (Hobby-)Wissenschaftler? Sie halten die Konsumation dieser Sendungen für eine Verschwendung wertvoller Lebenszeit? Sie stellen sich mittlerweile zwei entscheidende Fragen:

a) Was soll das alles?

b) Wissen diese “Experten“ mehrheitlich überhaupt wovon sie reden?

Aufgrund der Tatsache, dass vom Verfasser noch keine der zahlreich kursierenden Verschwörungstheorien als ausreichend begründet angesehen wird, kann ich Ihnen leider die erste Frage nicht beantworten. Hinsichtlich der zweiten Frage lautet die klare Antwort: Nein! Kritische Leser werden nun einwenden: Wie kann es ein Althistoriker wagen die Kompetenz von Coronaexperten zu beurteilen? Hier muss entgegengehalten werden, dass in den Forschungsbereich eines Althistorikers auch die “Attische Seuche“ (430-426/25 v Chr) fällt, welche der Historiker Thukydides beschreibt. Aufgrund dieser epidemiologischen Expertise erscheine ich somit angesichts des Corona-Mitbewerbs geradezu als überqualifiziert.

Spaß beiseite. Die Show, die hier geboten wird, ist teilweise schon so absurd und die fachliche Inkompetenz vieler sogenannter Experten ist so offensichtlich, dass sogar ein Laie die Kompetenz und das Recht hat dieses faule Ei zurückzuweisen, auch zwar auch dann, wenn er kein besseres legen kann.

Von welchen “Experten“ reden wir hier? Nein, es geht hier weder um die Anhänger eines eingereichsbürgerten Ex-Fernsehkochs noch um jene Menschen, welche Sie sofort mit einem Scanner nach dem Vorhandensein eventueller Micro-Chips untersuchen. Hiermit soll nicht die Problematik dieser Wahnideen geleugnet werden. Die Widerlegung derartiger Spinnereien ist ein wesentlicher Teil der Aufklärung und es ist auch durchaus legitim über diese Leute Witze zu machen. Allerdings bewegt man sich hier im Bereich des Mainstreams, für diese Kritik bedarf es keineswegs einer überdurchschnittlichen Zivilcourage und man erntet dafür leicht billigen Applaus. Wesentlich mehr Mut erfordert es jene “Experten“ zu kritisieren, welche die Talk-Shows des Mainstreams und die Youtube-Kanäle aufgeklärter Menschen heimsuchen. Ziel des Artikels ist somit der Übergang vom “billigen“ zum “biliken“ Applaus.

Anlass für diesen Artikel waren die Reaktionen auf das von mir geführte Interview (https://www.wissenbloggt.de/2021/02/19/ist-die-corona-schutzimpfung-wirklich-voellig-ungefaehrlich/). Unter Bezugnahme auf die dortigen Aussagen wurde an mich die Frage gerichtet, wie man als Laie die Seriosität eines Coronaexperten feststellen kann und wie man solche Kapazitäten aus der Fülle von Pseudo- und Möchtegernexperten herausfiltern kann. Es gibt hier leider exakte keine Formel dafür, ich möchte im Folgenden aber meine subjektiven Erfahrungen und Vorgehensweisen präsentieren und zur Diskussion stellen. Auch bei dieser Methodik wird es naturgemäß “Ausreißer“ in beide Richtungen geben.

Es möge sich niemand persönlich angegriffen fühlen, aber gleich vorweg kann ich festhalten: Es gibt sehr wenige Wissenschaftler, die hier wirklich mitreden können und in der Lage sind nicht nur allgemeine Zusammenfassungen zu präsentieren, sondern fundierte Stellungnahmen und Empfehlungen abzugeben.

Meine Anforderungen an einen Experten umfassen folgende Punkte:

  1. Spezifische wissenschaftliche Ausbildung mit virologischem Schwerpunkt
  2. Nachweisliche Forschungs- und Publikationstätigkeit im Bereich der Virologie
  3. Weitgehender Ausschluss außerwissenschaftlicher Interessen

Manche Leser werden jetzt einwenden, dass dies sehr hohe Anforderungen seien. Das ist richtig, allerdings geht es hier um die Gesundheit bzw. um  Menschenleben, daher ist es auch aus Patientensicht unser Recht, von den Fachleuten eine entsprechende Expertise einzufordern. Hier sollten nur echte Profis mitmischen, das Thema darf eben aus diesem Grund keine Manege für irgendwelche “PR-Clowns“ werden.

Ad 1) Da dieses Thema hochkomplex ist und viele spezifische Fragestellungen (Virologie, Biochemie, Immunologie, Infektiologie, Epidemiologie) umfasst, erscheint ein hochgradig spezialisiertes Vorwissen als unumgänglich. Es ist daher schwer nachvollziehbar, wieso Naturwissenschaftler aus völlig anderen Bereichen (Physiker, Allgemeinmediziner und Chemiker ohne entsprechende Zusatzqualifikation) hier als Experten auftreten können. Offenbar scheint ein  naturwissenschaftlicher oder medizinischer Studienabschluss auszureichen um sich als Coronaexperte zu qualifizieren. In der Geisteswissenschaft ist das anders. Wenn ein Fachkollege, der sich bisher fast ausschließlich mit der Entzifferung frühgriechischer Inschriften beschäftigt hat, nun plötzlich in den Medien als Experte für den Zweiten Weltkrieg auftritt, dann wird man sich höflich aber bestimmt nach dem persönlichen Wohlbefinden des lieben Kollegen erkundigen. Bezeichnenderweise haben etliche befreundete Mediziner mir auch offen erklärt, dass sie zu keiner öffentlichen Stellungnahme bereit sind, da weder ihre Ausbildung noch ihre Erfahrung sie dafür ausreichend qualifiziert.

Ad 2) Warum wird von meiner Seite aus so großer Wert auf die spezifische Forschungstätigkeit gelegt? Reicht ein spezifisches Studium nicht aus? Der Grund hierfür liegt in der Dynamik der Forschung. Das diesbezügliche Wissen ändert sich circa alle zehn Jahre grundlegend. Allein die Erkenntnisse in der der DNA-Forschung zwangen die jüngeren Forscher große Teile ihres mühsam erworbenen Studienwissens zu revidieren. Wissenschaftler, welche einschlägige Publikationen veröffentlichen, sind gezwungen hinsichtlich des Forschungsstandes “up to date“ zu sein, da sonst die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass dies von den Peer-Reviewern beanstandet wird. Aktive Forscher zu finden erhöht daher die Wahrscheinlichkeit der Trefferquote bezüglich der Kompetenz.

Ad 3) In den Medien dominieren die Institutsleiter als Experten. Nichts gegen Institutsleiter, aber in der Regel handelt sich hier gerade um jene Wissenschaftler, welche derartig mit anderen Aufgaben eingedeckt sind, dass sie wenig Zeit die Forschung haben. Hinzu kommt, dass gerade in Österreich solche Posten auch durchaus politisch bedeutsam sein können. In den Aufgabenbereich dieser Manager fällt üblicherweise auch die Projektfinanzierung, also die Lukrierung von Geldern. Woher kommen diese Gelder im konkreten Fall? Öffentliche Gelder sind in der Regel schwerer zu bekommen, bei wenig Budget gibt es auch eine geringere Förderquote, daher ist der Griff nach dem Geld der Pharmaindustrie in vielen medizinischen Bereichen ein notwendiger Schritt. Diese Überlegungen lassen die Fragen aufkommen: Wissen diese Institutsmanager das, was wir wissen möchten? Und wenn sie es wissen, können sie uns dann wirklich das sagen, was sie wissen? Gerade die Rolle der Pharmaindustrie stellt bei diesem Thema einen Faktor da, der vermutlich von etlichen Journalisten erheblich unterschätzt wird. All jenen, die jetzt – geprägt von den Medien der “Aufklärung“ – von “Verschwörungstheorie“ sprechen, sei ein kleiner Hinweis gegeben: Experten, die einiges zu diesem Thema zu sagen hätten, haben die Interviewanfrage negativ beantwortet mit dem Hinweis, dass ihr Job von der Pharmaindustrie finanziert wird.

Meine Recherchen bezogen sich auf die Frage der Coronaimpfung. Für andere Fragen im Bereich Corona müssten die Fragen entsprechend modifiziert werden. Zur Feststellung der wissenschaftlichen Kompetenz eines “Experten“ bzw. ganzer Expertenorganisationen lohnt es sich daher die bisherigen Artikel und Videos nach einschlägigen Äußerungen durchzusehen. Wirkliche Experten kennen die Evidenz, die Forschungsprobleme und haben gegebenenfalls methodisch relevante Lösungen anzubieten. Ich habe hier zur Überprüfung folgende Problembereiche als kurze aber prägnante Checklist herangezogen:

  1. Forschungsstand zu RNA Impfstoffen.
  2. Problematik möglicher genetischer Veränderungen bei Vektor-Impfstoffen

ad a) Auch von Vertretern der Pharmaindustrie bekommt man (natürlich inoffiziell) hinsichtlich der RNA Impfstoffe folgende Auskunft: „In dieser Technologie liegt ein Riesenpotential für die Lösung vieler gesundheitlicher Herausforderungen, allerdings stehen wir hinsichtlich der Erforschung dieser Technologie noch ziemlich am Anfang“. Genau aus diesem Grund wird auch innerhalb der Forschung der Einsatz dieser Impfstoffe sehr kontrovers diskutiert. All jene “Experten“, welche diese Problematik ignorieren oder gar “Fake News“ verbreiten wie “diese Technologie ist bereits gut erforscht und nachgewiesenermaßen völlig harmlos“ scheiden daher als Experten aus. Entweder liegt hier ein Kompetenzproblem vor, oder es gibt außerwissenschaftliche Gründe für ihr Verhalten.

Ein praktischer Tipp für Journalisten. Stellen Sie dem Impfexperten gleich zu Beginn des Gesprächs die Frage, welche Studien es zur RNA Forschung gibt und wie er auf Basis dieser Evidenz zu seiner Schlussfolgerung für oder gegen die Unbedenklichkeit der Impfung kommt. Wenn hier keine klaren Antworten kommen, können Sie – soferne Sie nicht an die hellseherischen Fähigkeiten Ihres Gegenübers glauben – das Gespräch höflich aber rasch beenden. Vorsicht: Manchmal werden hier Zusammenfassungen zitiert, hierbei handelt es sich aber meistens um Werbetexte der Pharmaindustrie! Um es klar zu sagen: Es geht hier (ebenso wie bei Punkt b) nicht darum wie der argumentative Weg des Experten zu seiner jeweiligen Position aussieht. Hier bewegt man sich in einem Spezialbereich, wo wir Laien einfach nicht mehr mitreden können. Die entscheidende Frage ist nur, ob der Experte überhaupt das fachliche Basiswissen hat um zu diesem Thema qualifizierte Aussagen zu tätigen oder ob er das Opfer irgendeiner “Informationskampagne“ ist und nur irgendetwas erzählt, was er irgendwo gehört hat.

Ad b) Auch die Frage, ob die Corona-Schutzimpfung unser Erbgut verändert, wurde von den “Experten“ beider Seiten intensiv thematisiert. Es gehört nun zum biologischen Grundwissen, dass eine Coronaschutzimpfung auf DNA-Basis (im Unterschied zur RNA Impfung) sehr wohl das Potential besitzt das Erbgut des Virus in das Erbgut des Menschen zu integrieren (https://www.spektrum.de/news/vektor-impfstoff-wird-adenovirus-dna-ins-genom-eingebaut/1835725#Echobox=1613545962?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE). Während auf der Seite der “Verschwörungstheoretiker“ oftmals  pauschal die Impfung (wahlweise mit oder ohne das Zutun von Bill Gates) als Gefahr für das Erbgut dargestellt wird, besteht auf der anderen Seite des coronafundamentalistischen Spektrums die Tendenz jeden, der auf diese Gefahr aufmerksam macht, undifferenziert als Spinner und Verschwörungstheoretiker zu deklarieren. So unterschiedlich die Positionen auch sein mögen, beide vereint die besondere fachliche Kompetenz. Hier bleibt die Hoffnung, dass vielleicht diese Übereinstimmung zur Eintracht unter dem gemeinsamen großen Aluhut führt. Es gilt das gleiche wie bei den RNA Impfstoffen. Wer solche Positionen vertritt, „is definitly not part of the game“. Die Einschätzungen dieser Personen hinsichtlich des Risikopotentials der Corona-Schutzimpfung entsprechen der prognostischen Validität der etruskischen Eingeweideschau.

Manche werden sich an dem Ausdruck “Coronafundamentalismus“ stoßen. Mittlerweile hat das Coronathema den praktischen Status einer Religion erreicht, welche die Gesellschaft spaltet. Es gibt wenig fundiertes Wissen und viel Emotion. Es ist typisch für religiöse Fundamentalisten, dass die eigene Unsicherheit durch Fanatismus und Missionseifer verdrängt und ein dualistisches Weltbild gepredigt wird, das nur Engel und Teufel kennt.

Nehmen wir zur Veranschaulichung ein prominentes Beispiel. Mai Thi Nguyen-Kim (Mai Lab) hat ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=a_NpJU12_LA) mit Fragen zur Corona-Schutzimpfung veröffentlicht. Mai Lab ist Polymerchemikerin ohne jegliche Erfahrung in der Virologie und Epidemiologie. Im Unterschied zur Chemie ist die Biologie nun kein lineares System sondern wesentlich chaotischer und komplexer. Ohne entsprechende fachliche Beratung ist es so gut wie ausgeschlossen, dass sie – ohne dieses spezifische Hintergrundwissen – die Komplexität des Themas ausreichend reflektiert. Man kann von einem solchen kurzen Video daher von Haus aus keine tiefschürfenden Erkenntnisse erwarten. Problematisch erscheint an dem Video vielmehr, dass sich die medienaffine Protagonistin dieses Sachverhaltes nicht bewusst zu sein scheint. Es wirkt nun aber ausgesprochen tragisch, dass dieses Video einerseits geradezu als “Evangelium“ gefeiert wird und andererseits zu einem regelrechten “Religionskrieg“ im Internet geführt hat. Die Diskussion (oder sagen wir besser der Kreuzzug) wurde (mangels Sachkenntnis)  von den fanatisierten Glaubenseiferern großteils weitgehend evidenzbefreit geführt, sozusagen ein blutiges (aber im Grunde überflüssiges) Duell der Unwissenden.

Dieser kleine und natürlich sehr subjektive Überblick soll eine Hilfestellung für Medienkonsumenten, Patienten und Journalisten darstellen. Besonders erfreulich wäre es, wenn auch so mancher der erwähnten “Experten“ diese Ausführungen zum Anlass nehmen würde, seinen Expertenstatus kritisch zu reflektieren, diesbezüglich neue Erkenntnisse zu gewinnen und sein Verhalten an diese Erkenntnisse zu adaptieren. Jeder sollte sich die Frage stellen, ob sein Wissen fundiert genug ist um damit hoch emotionalisierte Diskussionen zu führen und damit die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben.

Dieser Artikel wird nun kaum eine große Verbreitung finden. Wesentlich effektiver für die Förderung des diesbezüglichen Problembewusstseins wäre die publikumswirksame Verleihung eines Schmäh-Preises. Hier würde sich die Nominierung zur “Goldenen Clown-Nase“ anbieten. Einige Kandidaten befinden sich schon auf der Nominierungsliste. 

Dr. Ronald Bilik, 28.02.21




DGHS: Über Sterbehilfe frei und ergebnisoffen sprechen

WEIMAR (dghs/fgw). Die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben e.V. (DGHS) sieht zum Jahrestag des Suizidhilfe-Urteils des Bundesverfassungsgerichts großen Bedarf für eine Beratung am Lebensende.

Vor einem Jahr stellte das Bundesverfassungsgericht eindeutig fest, dass es zum Persönlichkeitsrecht des Menschen gehört, über das eigene Leben zu verfügen und dafür auch Hilfe anzunehmen, sofern sie angeboten wird. Das bis dahin geltende Verbotsgesetz (§ 217 StGB) hatte es faktisch unmöglich gemacht, eine professionelle Hilfe zum Suizid in Anspruch zu nehmen.

„Dass nunmehr Menschen mit wohlüberlegtem andauernden Sterbewunsch in Deutschland ein verfassungsrechtlich verbrieftes Recht haben, eine professionelle Freitodbegleitung in Anspruch nehmen zu können, ist ein großartiger Erfolg“, sagt RA Prof. Robert Roßbruch, Präsident der DGHS, anlässlich des ersten Jahrestages des Suizidhilfe-Urteils des Bundesverfassungsgerichts (Az. 2 BvR 2527/16 u. a.). „Ich möchte heute allen Beschwerdeführern, seien es Ärztinnen und Ärzte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte oder betroffene Patienten, ausdrücklich danken, dass sie sich so beharrlich gegen eine Gesetzgebung gewehrt haben, die einseitig weltanschaulich und bevormundend das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen am Lebensende behindert hatte.“

In den zurückliegenden zwölf Monaten habe es sich gezeigt, wie groß das Bedürfnis in der Bevölkerung ist, frei und ergebnisoffen über medizinische und soziale Fragen am Lebensende sprechen zu können. Mit den Angehörigen ist das mitunter schwer. Die Anfragen allein bei der DGHS, bei denen nach Hilfestellung zum Sterben abstrakt und konkret gebeten wird, seien seit dem Urteil stark gestiegen.

DGHS-Präsident Roßbruch dazu: „Es sollte ein flächendeckendes Netz von Beratungsangeboten geschaffen werden, das über bestehende palliativmedizinische Möglichkeiten aufklärt, aber auch die Vermittlung einer professionellen Freitodbegleitung nicht ausschließt.“

Gefragt seien jetzt insbesondere Ärztinnen und Ärzte, deren mehrheitliche Verweigerungshaltung nicht akzeptabel sei. Ob, wie und wann der Bundestag eine neue gesetzliche Grundlage schafft, um das vom Bundesverfassungsgericht festgestellte Freiheitsrecht des Einzelnen mit den gebotenen Schutzmechanismen in Einklang zu bringen, ist eine Herausforderung, die mit Blick auf den Bundestagswahlkampf nicht übereilt angegangen werden sollte, meint Roßbruch.

Als Patientenschutzorganisation mahnt die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben an, dass der weitere Ausbau der palliativmedizinischen Angebote, die Fürsorge gegen Einsamkeit im Alter, aber auch der Zugang zur professionellen Suizidhilfe im Fokus von Ärzteschaft, der Politik und des gesellschaftlichen Diskurses stehen sollten.

(SRK)
http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/dghs-ueber-sterbehilfe-frei-und-ergebnisoffen-sprechen/

24.02.2021
Von: (SRK)




Zum Wesen der Kritik

Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben. Wie die Philosophin Anne-Barb Hertkorn ausgeführt hat, ist Kritik damit „eine Grundfunktion der denkenden Vernunft und wird, sofern sie auf das eigene Denken angewandt wird, ein Wesensmerkmal der auf Gültigkeit Anspruch erhebenden Urteilsbildung.“ Sie gilt im Sinne einer Kunst der Beurteilung als eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeiten.

Neben der Bedeutung der prüfenden Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten bezeichnet die Kritik – insbesondere in der Verbform kritisieren ebenso wie monieren und die Monierung – auch eine Beanstandung oder Bemängelung

Als Grundregel darf gelten:

Es kann nicht angehen, dass der Kritisierte darüber entscheidet, welche Kritik zulässig ist und welche nicht.

Kritik wird unterschieden von:

  • der Skepsis, die ständig zweifelt und die niemals vergisst, dass auch sie selbst irren kann
  • einem Verriss, der als Schmähkritik nicht auf eine Verbesserung des kritisierten Gegenstandes abzielt, sondern auf seine Vernichtung
  • Schmähkritik, die nicht mit Argumenten geführt wird und die auf die Verächtlichmachung einer kritisierten Person abzielt
  • Tadel und Schelte, missbilligenden Beurteilungen, die als Erziehungsmittel eingesetzt werden
  • Krittelei, als anhaltendes und kleinliches Kritisieren mit Tendenz zum Nörgeln und Sichbeklagen
  • Beckmesserei, als kleinliche, pedantische Kritik



Wort zum Sonntag, den 21.2.2021

Wort zum Sonntag, den 21.2.2021 wieder mit atheistischen Anmerkungen von Erwin Peterseil:

Mk. 1,12-15: Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm. Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Der arme Jesus! Wird vom Satan in Versuchung geführt! Hoffentlich lässt er sich nicht verführen, der arme Sohn Gottes! Und die Frohbotschaft! Das Reich Gottes ist nahe! Das wäre knapp vor 2000 Jahren gewesen! Was ist jetzt mit dem Reich Gottes? Ist es gekommen? Mit der katholischen Weltherrschaft? Und ist es dann wieder gegangen, weil wir in vielen Gegenden die gesetzliche Religionsfreiheit erreicht haben?
Das Evangelium ist heute nur ein paar Zeilen lang, da genügen auch die paar Zeilen als Kommentar. Freuen wir uns heute, dass es bei uns kein Gottesreich gibt! Hallelujah!
Oder schauen wir trotzdem noch nach, was der Herr Bischof Schönborn dazu predigt? Na gut, samma neugierig! Er schreibt nix vom Reich Gottes, sondern über die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begonnen hat und außer ein paar fanatischen Katholiken niemanden interessiert! Und über die Corona-Pandemie schreibt er auch wieder, weil wir leben ja eh schon fast ein Jahr in der Corona-Fastenzeit!
Er schreibt Gott habe seinerzeit das jüdische Volk 40 Jahre durch die Wüste geführt und baut daraus die Corona-Brücke: „Soll das heißen, dass ich die lange Corona-Wüstenzeit für eine Initiative Gottes halte? Sicher nicht im Sinne einer Strafe Gottes. Aber das glaube ich schon, dass Wüstenerfahrungen in unserem Leben etwas mit Gott zu tun haben. In der Bibel ist die Wüsste der Ort der Gottbegegnung. Alles andere fällt weg. Jesus ist der Einsamkeit der Wüste ausgesetzt. In der Corona-Zeit müssen wir auf vieles verzichten, was uns wichtig und wertvoll ist. Das führt unweigerlich zur Frage: Worauf kommt es wirklich an? Was trägt, was hält, was hat Bestand? Wir brauchen keine eigenen Fastenvorsätze. Corona fordert schon genug Opfer. Nehmen wir sie als Läuterung an!“
Was ist eine Läuterung? Wikipedia weiß es: „Die Läuterung (zu lauter ‚rein‘) bedeutet, etwas von Schlacken oder Verunreinigungen zu befreien und es auf diese Weise zu reinigen.“ Im Duden stehen dazu folgende Synonyme: „Besserung, Berichtigung, Verbesserung“. Nach einem Jahr Coronafasten hat der Schönborn also genug gefastet! Ist es ab jetzt doch eine Strafe Gottes? Aber dann dürften doch keine gläubig-praktizierenden Katholiken Corona-Opfer sein?
Machen wir es heute ausgiebig, hier noch drei bischöfliche Absätze:
„Das Zweite: Jesus ‚wurde vom Satan in Versuchung geführt‘. Markus sagt nicht, worin die Versuchung bestand. Kein Mensch kommt ohne Versuchung durchs Leben. ‚Führe uns nicht in Versuchung‘, so beten wir im Vaterunser. Führt Gott uns in Versuchung? Sicher nicht! Aber er lässt es zu, dass wir mit vielerlei Versuchungen zu kämpfen haben. So war es auch für Jesus. Umso mehr dürfen wir ihn bitten, dass er uns in diesen Kämpfen hilft und uns unsere Schwäche verzeiht. Die größte Versuchung ist es, mutlos zu werden und an Gottes Barmherzigkeit zu verzweifeln.
Und das Dritte: In der Wüste war Jesus ‚bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm‘. Auch wir sind allen möglichen Gefährdungen ausgesetzt, aber die Hilfe des Himmels ist uns zugesagt. Wir sind nicht alleingelassen!
Ostern kommt ganz sicher. Jesus ist auferstanden. Das Leben siegt über den Tod. ‚Kehrt um und glaubt an das Evangelium‘, gerade jetzt!“

Ja, dummerweise siegt der Tod über das Leben, weil sterben müssen wir alle, gläubige Katholiken leben allerdings unter der Einbildung, dass es nach dem Tod ein ewiges Leben im Himmel oder in der Hölle gibt! Von der Hölle wird heute weniger gepredigt, weil der katholische Gott seine Katholiken natürlich lieber im Himmel haben will! Aber dazu müssten sie eben auch gläubige Katholiken sein, die werden aber immer weniger! Für die große Mehrheit der katholischen Kirchenmitglieder ist die Bezahlung des Kirchenbeitrages die wesentliche religiöse Handlung in ihrem Dasein, weil die glauben speziell, dass man in Österreich immer noch katholisch sein sollte…





Ist die Corona-Schutzimpfung wirklich völlig ungefährlich?

Ist die Corona-Schutzimpfung wirklich völlig ungefährlich?

Vorbemerkung wissenbloggt: Die Mehrheit unserer Leser dürfte nach meiner Kenntnis eher nicht zu den Impfgegnern gehören. Gern aber folgen wir gelegentlich nach dem Motto Audiatur et altera pars auch sehr gegensätzlichen Ansichten und veröffentlichen sie.

Ein Interview zu weitgehend unbekannten Risiken und Nebenwirkungen

Die Communis Opinio der Wissenschaft scheint sich klar für eine grundsätzliche Unbedenklichkeit der Corona-Schutzimpfung auszusprechen. Allerdings ergab eine [Umfrage der Zeit] (https://www.zeit.de/arbeit/2021-01/impfskepsis-pflegekraefte-corona-krankenhaus-protokoll?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE), dass 27 Prozent der Ärzte diese Impfung ablehnen. Ein ähnlicher Eindruck entstand auch bei Gesprächen mit befreundeten Medizinern. Ist das Umfrageergebnis falsch, gibt es hier doch mehr fachinterne Diskussionen als es die normale Berichterstattung vermittelt oder ist mehr als ein Viertel unserer Ärzte als inkompetent oder verantwortungslos zu qualifizieren? Diese Fragestellung führte dazu mit einem Vertreter des wissenschaftlichen Spitalspersonals ein Gespräch zu führen und die Gründe für diese spezifische Impf-Skepsis zu eruieren. Ursprünglich war geplant den Interviewpartner namentlich anzuführen, aufgrund der Tatsache, dass von der Politik sogar der [Rücktritt eines Spitalschefs gefordert] (https://www.youtube.com/watch?v=IS4o5JqJFL4) wurde, weil es dieser gewagt hatte sich kritisch über Qualität des Zulassungsprozesse zu äußern, wurde entschieden die Identität der Auskunftsperson derzeit nicht bekanntzugeben.

Was genau ist Ihre Tätigkeit in der medizinischen Forschung?

In meiner beruflichen Tätigkeit, welche ich seit dreißig Jahren ausübe, befasse ich mich unter anderem mit der Erforschung von Autoimmunerkrankungen und deren Heilungsmöglichkeiten, die auch den Einsatz von synthetischen Retroviren inkludieren. Bisher habe ich nur in Fachzeitschriften publiziert, dieses Interview ist mein erster Gang in die breitere Öffentlichkeit.

Bei der Konsumation der Medien wird oft der Eindruck erweckt, dass die seriöse wissenschaftliche Forschung sich über die Ungefährlichkeit der Impfung einig ist. Sind also jene rund 30 Prozent der Mediziner, welche die Impfung ablehnen, inkompetent? Und wie ist der Expertise der medial präsenten Corona-Spezialisten zu bewerten? 

Diese Einheitlichkeit ist in der Forschung definitiv nicht vorhanden und wird nur politisch und medial suggeriert. [Aus den Expertenrunden wurden Kritiker der angestrebten politischen Ziele entfernt und durch kooperationsbereite “Coronaexperten“ ersetzt] (https://www.falter.at/zeitung/20200512/was-passiert-wenn-es-eng-wird). Dieser medizinische Beraterstab besteht zum Großteil aus Medizinern diverser Fachrichtungen. Der enorme technologische Fortschritt der letzten 20 Jahre und der damit verbundene Wissenszuwachs hat fächerübergreifende Expertise aber beinahe unmöglich gemacht. Weiters sind die meisten Ärzte, trotz umfangreich wirkender Ausbildung, kaum in wissenschaftlichen Forschungskonzepten und Herangehensweisen geschult und außerhalb der eigenen Profession mit ausgesprochen oberflächlichem Wissen ausgestattet. Daher erscheint es geradezu grotesk, wenn teilweise Ärzte aus Fachrichtungen zu Wort gebeten werden, die ferner der Thematik nicht sein könnten, einzig und alleine deshalb, weil sie als akademische Repräsentanten eines Berufsstandes gelten.

Viele der medial präsenten Mediziner scheinen auch einen wissenschaftlichen Artikel nicht auf die Aussage seines Inhalts, die Wissenschaftlichkeit der Methodik (good scientific practice) oder seinen Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. Der Berufsstand der Wissenschaftler, der dafür ausgebildet ist um biologische Systeme zu erforschen, wird dabei völlig exkludiert. Dabei ist es die Wissenschaft, die neue Erkenntnisse schafft, der Arzt ist nur der Anwender dieser Erkenntnisse, die er nicht zwingend verstehen muss um erfolgreich zu sein. Diese Pandemie hat nun etlichen Kollegen jene Bühne und jene Anerkennung geboten, welche in der wissenschaftlichen Forschung den meisten Medizinern verwehrt bleibt. Gerade bei Spitzenmedizinern liegt der Fokus mehr auf Politik und Selbstmanagement als auf Erkenntnisgewinn durch wissenschaftliche Grundlagenforschung, da diese langwierig, finanziell aufwendig, oft frustrierend und daher wenig förderlich für die Karriereentwicklung ist. Leider ist es aber gerade diese Forschung, die notwendig ist um hochkomplexe biologische Sachverhalte im vollen Ausmaß verstehen zu können.

Bei der Initiative Österreich impft (https://www.oesterreich-impft.at/faq/) heißt es zum Thema “Wie sicher ist die Corona-Schutzimpfung?“: Impfungen, die in Österreich auf den Markt kommen, sind sicher. Die zugelassenen Corona-Impfstoffe haben alle drei Phasen der klinischen Prüfung erfolgreich bestanden. Auch nach ihrer Zulassung werden die Impfstoffe regelmäßig kontrolliert und überwacht und mögliche Nebenwirkungsmeldungen genauestens überprüft.“ Da fragt man ich als Laie: Was soll da noch schiefgehen? Woher kommt nun die coronaspezifische Impfskepsis der oben angesprochen Mediziner? Was kritisieren diese mit welchen Argumenten an der medial präsentierten Communis Opinio und warum scheuen diese den Gang in die Öffentlichkeit?

Der letzte Punkt hat zu einem guten Teil mit der schon angesprochenen Lagerbildung zu tun. Im Lager der Impf- und Corona-Skeptiker tummeln sich die Anhänger dubiosester Verschwörungstheorien, esoterische Spinner und Vertreter problematischer politischer Richtungen, kurzum, diese Szene wird zumindest medial von Personengruppen dominiert, mit welchen kein seriöser Forscher in Verbindung gebracht werden will. Im Gegensatz zum Verschwörungstheoretiker sehe ich allerdings keinen Plan, nur Inkompetenz und fachlich unkundige „Coronaexperten“, die das Chaos perfektionieren.

Meine Fachkollegen und ich kritisieren zum Beispiel die Aussagen über die Effizienz der Impfung. Die oftmals kolportierten 95 Prozent Effizienz vor Ansteckung sind angesichts der im Vorfeld der Zulassung des Pfizer/Biontec/Fosun Impfstoffs BNT162b2 durchgeführten [Studie] (https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2034577) eine Misinterpretation der Datenlage. In dieser Studie wurde zwar eine große Patientenkohorte von ca. 21.000 Probanden mit dem Impfstoff behandelt, allerdings lag die Infektionsrate in der Gesamtstudie bei knapp 1,5 Prozent der Probanden. In der Placebogruppe, die nur Salzlösung injiziert bekam, erkrankten in der Endpunktphase gerade einmal 172 und in der Gruppe der Probanden, die den Impfstoff erhielten, erkrankten neun Personen. Die propagierten 95 Prozent Impfschutz wurden also insgesamt durch gerade einmal 181 erkrankte Personen am Endpunkt der Studie errechnet, wobei wir uns Angesichts der Studienkohorte im berühmten statistischen Hintergrundrauschen befinden. Wenn wir die Zahlen neutral betrachten, könnten wir – folglich der Studie – auch behaupten, dass nach der ersten Injektion Salzwasser, bei einer Erkrankung von 275 Probanden, nach der zweiten. Injektion Salzwasser nur mehr 21 Probanden erkrankten. Also hätten wir einen Schutz von knapp 92 Prozent durch die Behandlung mit Salzwasser. Ich meine das ironisch, will aber auf die schon sehr kleine Menge an relevanten Stichproben und deren extrem große Streuung hinweisen. Jeder, der ein bisschen Ahnung von Statistik hat, könnte hier sehr schnell herauslesen, dass diese Informationen keinerlei brauchbare Signifikanz aufweisen. Trotzdem wurde durch Mediziner, Politiker und Medien dieser Prozentsatz dem Bürger förmlich in die Stirne gemeißelt. Ähnlich problematisch erscheint die Strategie den Menschen, welche keiner Risikogruppe angehören, die Impfung mit dem Hinweis darauf schmackhaft zu machen, dass sie dadurch andere schützen würden. Hinsichtlich der Transmission liegen aber derzeit noch keine brauchbaren Daten vor. Angesichts dieser Evidenz erscheint es problematisch gesunde Menschen dem Risiko von Impfnebenwirkungen auszusetzen.

Das ist ein gutes Stichwort. In diversen Medien kursierten Gerüchte, denen zufolge die Impfung Langzeitnebenwirkungen haben könnte und hier auch die Gefahr der Veränderung des Erbgutes bestünde. Dieser Einschätzung wurde von offizieller medizinischer Seite massiv widersprochen, bzw. wurden diese Behauptungen meistens mit dem Hinweis auf andere Impfstoffe und Medikamente relativiert.

Die “offizielle“ Kernaussage lautet: “Die Coronaimpfung ist unbedenklich und hat höchstwahrscheinlich keine bedenklichen Langzeitnebenwirkungen. Und selbst dann ist dieses minimale Impfrisiko Risiko immer noch dem Erkrankungsrisiko vorzuziehen“. Hier wird argumentiert, dass bereits seit Jahrzehnten zig Studien mit RNA Impfstoffen durchgeführt wurden und deswegen bekannt wäre, dass es durch die Impfungen zu keinen langfristigen Schäden kommen kann. Die älteste Studie zu einer RNA vermittelten Immunisierung im Menschen ist gerade einmal elf Jahre alt (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19609242/). Dabei handelte es sich um eine Impfung gegen einen Tumor bzw. dessen Metastasen in einer kleineren klinischen Studie mit 21 Probanden. Langfristig sind aus dieser Studie sicher keine Informationen über die Nebenwirkungen zu erwarten, weil die meisten Probanden während der Studie oder in der Nachbeobachtungszeit verstarben und die verbleibende Kohorte zu klein dafür wäre. Davor war die synthetische Herstellung einer umschreibungsfertigen Messenger-RNA (mRNA,“Nachrichten RNA“, wird erst in der Zelle in ihr kodiertes Protein umgeschrieben) im industriellen Maßstab technisch nur schwer möglich und wurde hauptsächlich im Kleinen an Mäusen und anderen Modellorgansimen getestet. Es existiert eine weitere Studie aus dem Jahr 2014 (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25288198/) die ebenfalls RNA Tumorimpfstoffe an Lungenkrebspatienten im Stadium 4 (palliativ, also sterbebegleitend) im Multicenterstil erprobt hat, hier befürchte ich werden ebenfalls nicht sonderlich viele Patienten am Leben sein, an denen man eine Langzeitwirkung erfassen könnte. Es existiert ferner eine Studie aus dem Jahr 2016 mit einem RNA Impfstoff gegen Tollwut an Schweinen und Mäusen. Auch diese bedauernswerten Geschöpfe werden wohl nicht mehr unter uns wandeln, um uns Auskunft über Ihren Gesamtzustand zu geben (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4918980/). Alle eventuell kürzlich durch-  geführten Studien sind noch nicht lange genug her, um aus ihnen relevante Langzeitdaten erfassen zu können. Somit basiert diese Aussage rein auf Spekulation und ist nicht nur im höchsten Maße unprofessionell, sondern lässt Manipulation vermuten.

Auch die Aussage “Die Corona-Impfung verändert nicht Ihr Erbgut“.( https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2021-01/leif-erik-sander-coronavirus-impfung-infektiologe-mutationen-mrna-herdenimmunitaet) ist nur teilweise richtig. Die aktuell zugelassenen RNA Impfstoffe müssten in den Zellen des Empfängers in eine sogenannte doppelsträngige DNA „zurück“ umgeschrieben werden. Das können nur Zellen, die von speziellen Retroviren befallen sind und der Prozess ist so kompliziert, dass dieser mit einer mRNA nicht funktioniert. Anders liegt die Sache beim Impfstoff von Astra Zeneca (https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3777268). Hierbei handelt es sich um einen modifizierten Schimpansen-Adenovirus, der auch das Spike-Protein innerhalb der Empfängerzelle herstellt. Allerdings gehören Adenoviren zu den DNA-Viren (anders als Retroviren) und besitzen ein Erbgut in der Form einer doppelsträngigen DNA. Das Virus kann sich selbst nicht reproduzieren, dafür wurde gesorgt, aber das Erbgut des Virus kann sich unter ungünstigen Umständen sehr wohl in unser Erbgut integrieren. Das ist biologisches Basiswissen und seit Jahrzenten bekannt, hier werden Ihnen also Birnen als Äpfel verkauft. 

Ein weiterer Kritikpunkt war die angeblich zu schnelle Zulassung des Impfstoffes. Hier wird behauptet: “Die Zulassung ging so schnell, weil alle zusammengeholfen haben“. Ist wenigstens diese Aussage korrekt?

Zulassungsverfahren nehmen neben in-vitro (in der Zellkultur) und in-vivo (im lebenden Modellorganismus, Maus, Schwein etc.) Tests normalerweise etliche Jahre in Anspruch, bevor  klinische Versuchsbehandlungen am Patienten vorgenommen werden dürfen. Dies ist kein Pauschalprozess, bei dem getestete Technologie dann nach Belieben in alternativen Modifikationen des Systems am Patienten angewandt werden dürfen, vielmehr muss  jede Modifikation in einem vollständigen Zulassungsprozess erneut getestet werden. Im Fall der aktuell in der EU zugelassenen Impfstoffe von Pfizer und Moderna (und natürlich auch allen anderen Impfstoffen, die in der Warteliste der Zulassung stehen) wurden die klinischen Tests massiv gekürzt und in einer bedingten Zulassung eben auf die oben genannte Studie reduziert ([die Studie zum Moderna Impfstoff] (https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2035389) ist dabei ähnlich aussagelos wie die Studie für den Pfizerimpfstoff). Israel hat sich hier auf einen Kuhhandel auf Kosten der Bevölkerung eingelassen: Um eine Vorzugsposition für den Pfizer Impfstoff zu erhalten, [gibt die israelische Regierung alle Daten, die durch die Durchimpfung der Bevölkerung erhalten werden, an Pfizer weiter] (https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/israel-infektionszahlen-trotz-impfkampagne-auf-hoechststand,SMXZrha). So kann das Pharmaunternehmen breit gestreute Langzeitstudien an einer Bevölkerung betreiben.

Mit welchen Kurzzeitnebenwirkungen muss man rechnen?

Beide zugelassenen Impfstoffe sind von der Zusammensetzung sehr ähnlich und verwenden stabilisierte Mutanten des kompletten Coronavirus Spike-Proteins. Diese Mutationen sollen die Struktur des Spike-Proteins so erhalten wie sie auf dem fertigen Virus vorkommt, um es dem Immunsystem quasi leichter zu machen gezielt gegen das Virus vorzugehen. Die Nebenwirkungen der Impfung sind klassisch und reichen von Fieber, Schüttelfrost, Erschöpfung, Kopf- und Muskelschmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle bis zu in extremen Fällen, partieller Lähmung oder schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxie). Die Kontraindikationen für eine Coronaimpfung sind daher sehr weit gestreut und man sollte, bevor man sich impfen lässt, mit dem Arzt ein genaues Anamnesegespräch durchführen.

Hier noch ein Aspekt, der meiner Meinung nach den unreflektierten Zugang der Impfpolitik widerspiegelt: Ältere Menschen und Personen mit schweren Vorerkrankungen sind nicht nur von schweren Coronaerkrankungsverläufen betroffen, sie können aufgrund ihres schlechten Allgemeinzustandes und schwachen Immunsystems gar nicht oder besonders sensibel auf eine Impfung reagieren. Mittlerweile gibt es weltweit eine durchaus erfassbare Gruppe an Personen, die nach der Impfung an Komplikationen wie Fieber, das den Herzkreislauf stark belasten kann, verstorben ist. Um die allgemeine Impfbereitschaft nicht noch weiter zu dezimieren, wird von Politik und Wissenschaft behauptet, es handle sich um nicht signifikante Einzelfälle, die im Bereich der normalen Mortalitätsrate dieser Gruppe liegen würden.

Wie ist die Rolle der Pharmaindustrie zu bewerten?

Pharmafirmen sind keine philanthropen Gesellschaften, sondern gewinnorientierte Handelsunternehmen, in denen am Ende die Dividende des Anlegers stimmen muss. Gerade Pfizer und Moderna werden von der Pandemie in Milliardenhöhe profitieren, also ergibt sich die einzigartige Gelegenheit neben dem Profit auch noch eine vollkommen neue Impfstofftechnologie in einem globalen Versuchslabor auszutesten. Warum wurden bis jetzt keine RNA Impfstoffe zugelassen, wenn diese so effizient und nebenwirkungsfrei sind? Es gäbe eine Flut von Erregern bzw. Viren gegen die wir effiziente Impfungen benötigen würden, die schon lange eine Geißel der Menschheit darstellen. Die Hauptaussage der Pharmafirmen lautet generell: “Wegen der bis dato nicht zur Verfügung stehenden Technologie, um die Messenger-RNA herstellen zu können (wurde bereits durch schon zitierte Veröffentlichungen widerlegt) und der langwierigen Zulassungsprozesse“. Wahrscheinlicher ist, dass gravierende Nebenwirkungen und mangelnde Effizienz ausschlaggebend waren. Dazu kommt, dass die vorhandenen Therapien gegen Human Immunodeficiency Virus (HIV) und Hepatitis-C (HCV) ein jährliches Milliardengeschäft ausmachen und eine Impfung der Pharmaindustrie massive Verluste einbringen würde. Als kleine Rechenaufgabe: HCV ist eine hochinfektiöse Erkrankung, die ohne Behandlung früher oder später zum Tod des Patienten führt. In Deutschland alleine sind ca. 500.000 Personen mit dem Virus infiziert. Die einmalige HCV Therapie (Sovaldi, Gilead) kostet stolze 60.000 Euro. Die Produktionskosten der Gesamttherapie liegen in Ländern, die das Patent umgehen, unter 100 Euro. [Das macht alleine in Deutschland einen potentiellen Gesamtumsatz von 30 Milliarden Euro aus] (https://science.orf.at/v2/stories/2935952/). Für andere virale Erkrankungen wie HIV mit 38 Millionen Infizierten (davon werden ca. 70 Prozent behandelt) liegen mit einem Jahreskostensatz pro Patient von ca. 17.000 Euro die Verhältnisse ähnlich.

Wenn die Evidenz wirklich so dünn ist, bzw. doch erhebliche wissenschaftliche Bedenken vorliegen, warum lehnt dann nur rund ein Viertel der Ärzte diese Impfung ab?

Im Gegensatz zur normalen Bevölkerung, welche theoretisch über die [Literaturdatenbank] (Pubmed, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/) zugreifen könnte, diese Studien aber kaum richtig interpretieren kann, könnten die Mediziner das sehr wohl. Aber warum sich die Arbeit antun und eigenverantwortlich Informationen sammeln, wenn man sich wie alle anderen bei einer Infoveranstaltung einlullen lassen kann. Hier sehe ich die Basis warum nur ca. 30 Prozent der Mediziner sich gegen eine Impfung mit den aktuellen Impfstoffen ausspricht, andernfalls wäre der Prozentsatz wesentlich höher.

Gibt es ein Worst-Case Szenario?

Es existieren reichlich theoretische Horrorszenarien mit durchaus relevanter Signifikanz, die man aus wissenschaftlicher Sicht gegen die neuen Impfstofftypen vorbringen kann. Die Option des kurzfristigen Auftretens eines pseudotypisierten Retrovirus wäre, wenn auch relativ unwahrscheinlich, durchaus eine Möglichkeit. Pseudotypisierung ist keine Science Fiction sondern Alltag in der biomedizinischen Forschung. Wir modifizieren täglich Retroviren im Labor mit Bestandteilen anderer Viren, um ihre Funktion an bestimmte Anforderungen anzupassen. Im Klartext handelt es sich um ein Szenario, bei dem sich ein anderer Retrovirus das Spike-Protein (das Oberflächenmolekül des Coronavirus das ihm ermöglicht an die Zellen der Atemwege anzudocken und einzudringen) des Coronavirus, das nach der Impfung auf den Zelloberflächen des Körpers präsentiert wird, bei seiner eigenen Vervielfältigung ausborgt. Hier wären zwei schon vorher vorgestellte Protagonisten zu nennen für die bei der weltweiten Durchseuchungsrate ein solcher Prozess vorstellbar wäre, nämlich das HIV und das Hepatitis-C Virus. Ein Großteil der intramuskulär verabreichten RNA dringt nicht in Muskelzellen ein, sondern wird vom Lymphsystem in die ableitenden Lymphknoten abtransportiert, von dort aus weiter in den Blutstrom. Aus ihrer grundlegendsten Eigenschaft ist die Leber ein Staubsauger und nimmt die nicht verwerteten RNA-Lipidpartikel aus dem Blutkreislauf auf. Die sich, sowohl in den Lymphkoten und in der Leber vermehrenden Retroviren, hätten dann eine Chance sich das Spike-Protein zumindest kurzfristig auszuborgen. Diese veränderten Viruspartikel hätten eine erweiterte Möglichkeit in Körperzellen vorzudringen und würden dem Virus neue Zugangswege in den menschlichen Körper ermöglichen. Man stelle sich vor HIV wäre plötzlich über die Atemwege übertragbar. Ein solches Szenario wird im Risikomanagement als „low probability, high impact“ bezeichnet. Auf Deutsch: sehr unwahrscheinliches Szenario, aber wenn es stattfindet katastrophal. Aus gutem Grund werden solche Szenarien ausgeklammert und nicht in die Öffentlichkeit gestreut. Um derartige Übergriffe zu verhindern wurde das Spike-Protein zwar mutiert, um seine „fusogenen“ (Prozess, der den Virus mit der Körperzelle verschmelzen lässt) Eigenschaften zu eliminieren, allerdings [bleiben die zellbindenden Eigenschaften des Moleküls immer noch erhalten] (https://www.pnas.org/content/114/35/E7348) bzw. verbleibt das Originalrezeptorsystem ebenfalls am Virus. Haben wir also die Sache wirklich bis ins letzte Detail fertig gedacht? Ich persönlich glaube, die Natur findet immer einen Weg.

Wie lautet Ihre Empfehlung zur Impfung? Sollte man sich impfen lassen?

Ich werde niemanden empfehlen sich nicht impfen zu lassen. Wenn Sie das Bedürfnis haben oder zu einer Risikogruppe gehören, machen Sie was Sie für richtig halten. Behalten Sie aber doch meine Erklärungen im Hinterkopf bevor Sie vorschnelle Entscheidungen treffen. Aus meinen vorherigen Erklärungen geht, denke ich, relativ klar hervor, dass die Impfung als Selbstschutz zu sehen ist, daher ist es unser Recht für uns selber zu entscheiden, ob wir uns impfen lassen oder nicht.




Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas

Tipp zu einem Buch von Dr. Amer Albayati
„Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas“

Europa braucht echte Loyalität ohne Einfluss aus dem Ausland – Wir sollten Sicherheit und sozialen Frieden in Europa bewahren

Das Buch von Dr. Amer Albayati, „Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas“, beinhaltet das Konzept kurzer und bündiger Beiträge, weil man im Zeitalter des Internets und der sozialen Netze eine Flut von Information bekommt, die Menschen haben kaum noch Zeit, lange Texte zu lesen, darum ist es unser Konzept, viele wichtige und aktuelle Schwerpunkte in Europa kurz und bündig zu präsentieren.

Albayati hat etwa 60 Jahre als Journalist für internationale Medien gearbeitet, als 18-Jähriger früh in Europa begonnen, sein Ziel ist es nicht Geld zu verdienen oder die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen, er will seine progressive Haltung in Europa und für Europa bewahren, ohne Profit oder Eigenwerbung zu betreiben, nur wegen seiner Liebe zu allen positiven Menschen in Europa.

Es wurde wiederholt bekräftigt, allgemein „Hass und Hetze zu stoppen“ gegen Religionen, vor allem gegen Christen, Juden und Israel sofort zu stoppen, anderer Herkunft, gegen anders Denkende und mit anderen Veranlagungen, vollen Respekt und friedliches Miteinander zu praktizieren, um Probleme und Gegensätze in Europa zu vermeiden.

Der Corona-Virus hat in kurzer Zeit gezeigt, wie schwach wir sind und wie notwendig es ist, Problemlösungen gemeinsam zu implementieren, um in Europa unsere friedliche Zukunft zu realisieren. Europa hat noch viele offene Herausforderungen, nicht nur im Schatten der Corona Pandemie, sondern auch noch überhaupt unbehandelte Herausforderungen, im Rahmen der verfehlten Integration als Dauerbrenner: gewährte allgemeine falsche islamistische Freiheiten, speziell im Bereich der Frauenrechte in Europa, Moscheen mit aggressiven Eroberer-Namen gehören nicht nach Europa und dürfen deshalb nicht sein, brutal-blutige IS-Kämpfer, Ausreißer und Rückkehrer laufen in Europa frei herum, leben unter uns straffrei, wir bleiben auf Dauer in einem gefährlichen Pulverfass sitzen, der Islamunterricht in unseren öffentliche Schulen ist völlig ohne Kontrolle nach europäischen Maßstäben und ist unserer Moral und Ethik fern geblieben. Deshalb ist Ethikunterricht für alle, auch für Muslime erforderlich, es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion, aber Muslime in Europa müssen das endlich begreifen, die konservative Islamauslegung ist für unsere Gesellschaft in vieler Hinsicht eine Belastung, islamistische Vereine und Organisation mit Einfluss aus dem Ausland sind in Europa ohne richtige Behandlung gang und gäbe, d.h. sie bilden einen Staat im Staat, predigen frei ohne Kontrolle und keine Verantwortliche will diesen Hass und Hetze stoppen.

Die politischen Islamorganisationen und Vereine versuchen ständig unsere Politik und Gesellschaft zu unterwandern, leider wird das weiterhin von bestimmten Politikern und manchen Journalisten entweder geduldet oder sogar unterstützt, das ist ein Skandal ohne gleichen und gehört beendet. Wir wollen, dass Politiker und Journalisten, konservative-fundamentalistische Islamisten dubiose Organisationen Unterstützung stoppen. Es gibt viele illegale Moscheen sogar ohne Baupolizei-Genehmigung, es müssen endlich Gesetzesbrecher gestoppt werden.

Im Islam gibt es keine Hierarchie oder Priestertum. Deshalb ist das Islamgesetz in Österreich eine Farce, weil einem konservative-fundamentalistischen Verein wie der Islamische Glaubensgemeinschaft-IGGÖ Legitimation verleiht und Einflüsse vom Ausland durch Hintertüren erlaubt. Diese Minderheit darf nicht im Namen aller Muslime sprechen, denn viele islamische Konfessionen werden dadurch benachteiligt, sogar durch solch ein falsches Konstrukt diskriminiert.

Das Kopftuch wird im Koran nicht explizit erwähnt und ist bei Kindern überhaupt nicht nötig. Muslime in Europa müssen nicht versuchen, konservativ-fundamentalistische und veraltete Sitten und Gebräuche aus dem Ausland nach Europa zu importieren. Auf die Herkunftsländer gerichtete Satellitenschüssel verursachen ein Vakuum an Wissen was in Europa praktisch geschieht.

Wichtig ist, Muslime müssen loyal zu den Ländern wo sie leben und Europa stehen, sonst können sie die Moderne niemals erreichen.

Unsere unermüdlichen Aktivitäten im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens mit Moslems, ohne Aufrufe zu Gewalt oder Jihad, ohne Belohnung von Jihad-Gewalt im Paradies, mit allgemeiner Gleichberechtigung von Frauen mit Männern, mit Meinungsfreiheit, Demokratie, Parallelgesellschaften verhindern und mit Religionsfreiheit ohne Wenn und Aber bevor es zu spät ist.

Also echte europäische Identität und tatsächliche Loyalität mit dem Europa, wo man ohne Einfluss aus dem Ausland oder politischen Islam-Organisationen lebt, löst viele Probleme und unterstützt unsere Sicherheit und den sozialen Frieden in Europa.

Das Buch von Dr. Amer Albayati ist als E-Book um 9,99 Euro bei Amazon zu beziehen!

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Umnutzung von Kirchen

Ein internationales Online-Symposium diskutiert noch bis Mittwoch über die immer drängender werdende Frage der Umnutzung entwidmeter und leerstehender Kirchen. Deren Zahl ist laut einer Expertin höher als öffentlich bekannt.

katholisch.de

Die Stadtplanerin und Architekturprofessorin Kerstin Gothe hat dafür plädiert, angemessene Nachnutzungen für entwidmete Kirchen zu finden. „Die Anzahl leerstehender oder untergenutzter Kirchen ist größer als öffentlich bekannt“, sagte Gothe am Montag zum Auftakt eines internationalen Symposiums zu Kirchenumnutzungen der Volkswagenstiftung in Hannover. Kirchenumnutzungen seien eine riesige Herausforderung, an den Universitäten friste das Thema allerdings noch ein Nischendasein. Gothe ist Leiterin des Fachgebietes Regionalplanung und Bauen im Ländlichen Raum am Institut für Technologie in Karlsruhe.

An dem Symposium nehmen bis zum Mittwoch rund 350 Expertinnen und Experten aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Großbritannien teil. Sie wollen das Thema erstmals im europäischen Vergleich diskutieren und gemeinsam neue Perspektiven für die weitere Nutzung ehemaliger Kirchenbauten entwickeln.




Wunderheilungen

Wort zum Sonntag, den 14.2.2021: Mk 1,40-45: Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg, wies ihn streng an und sagte zu ihm: Sieh, dass du niemandem etwas sagst, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring für deine Reinigung dar, was Mose festgesetzt hat – ihnen zum Zeugnis. Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Der Jesus verbietet das Weitererzählen seiner Wundertaten! Wozu wundertätigt er dann, wenn nicht aus Reklamegründen? Natürlich hat der Prediger Jeschua ben Josef keine Wunder tun können, er war ja kein allmächtiger Gottessohn, sondern der Sohn eines Zimmermannes! Und seine Wunderreklame wurde eben so wie oben geschildert verbreitet, Anhänger erzählten Wundergeschichtchen und die Leute sollten das glauben! Die katholische Kirche hat das ja durch die Jahrhunderte auch so gemacht, das mit den Wundern hat sich erst in den letzten Jahrzehnten aufgehört, im einst wundervollen Pilgerort Lourdes gibt’s z.B. seit den 1980er-Jahren keine kirchlich offiziell anerkannten Wunder mehr.

Aber das nur nebenbei, was predigt heute der Herrn Schönborn? Er bekennt sich zur christlichen Wunderreklame, er schließt nämlich so: „Vielleicht hilft uns die Geschichte dieses wunderbar Geheilten besser zu verstehen, warum Gott immer wieder Einzelnen diese Gnaden schenkt: ‚Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte.‘ Nicht alle Kranken werden durch ein Wunder geheilt, aber alle sollen erfahren, dass es Wunder gibt. Die Wirkung dieser Heilung war gewaltig: Jesus muss sich verbergen, denn ‚die Leute kamen von überallher zu ihm‘. Das Zeugnis des Geheilten führt viele Menschen zu Jesus. So ist es bis heute. Wer von Jesus berührt worden ist, wer seine Barmherzigkeit erfahren hat, den wird es drängen, anderen davon zu erzählen, auch ohne selber eine Wunderheilung erhalten zu haben.“

Also meinereiner hat noch nie einen getroffen, den der Jesus geheilt oder berührt hätte. Solche Leute bräuchten ja eine psychische Behandlung! Der Schönborn schraubt jedenfalls seinen Jesus herunter, der braucht keine Wunder mehr tätigen, es genügt wenn sich wer einbildet, von Jesus barmherzig berührt worden zu sein! Warum bringt der Herr Kardinal kein einziges Beispiel dazu? Hat ihn der Jesus nicht barmherzig berührt und ihn dann auf den Weg zum Priester, Bischof und Kardinal geführt? Oder denkt er sich selber auch, dass ihm das kaum wer glauben würde? Amen.

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Das Virol-Problem

Durch die Medien ziehen Scherze über den Tiroler Umgang mit Corona, das Land Tirol habe sich in weiser Voraussicht die Marke „Virol“ schützen lassen.

Dort hat man sich eine besonders gefährliche Variante des Corona-Virus eingeschleppt, aber man tut – wie dort ja schon fast gewohnt – dagegen nicht das Notwendige.

Der ORF-Tirol meldete dazu am 9.2.2021: „Das mittlerweile erbitterte Ringen um verschärfte CoV-Maßnahmen in Tirol geht weiter. Der Bund gibt sich offenbar nicht mit einem Aktionsplan des Landes zufrieden. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte am Montagabend an, zu prüfen, ob man sich zukünftig aus bestimmten Tiroler Regionen heraustesten muss. Hintergrund ist die in Tirol mittlerweile über 200 mal festgestellte südafrikanische Virus-Variante, die nicht nur als ansteckender gilt sondern auch einige Impfstoffe weniger wirksam machen könnte. In Tirol verweist man seit Tagen darauf, dass die Fall-Inzidenz im Land keine Isolationen oder ähnliches hergeben würde.“

Erinnert man sich dort nicht mehr ans Frühjahr? Wo sich im Ort Ischgl der Corona-Virus ungezähmt verbreiten konnte, danach wurden bei 42 % der Ischgler Corona-Antikörper festgestellt, 85 % waren symptomlos geblieben. Die ersten Erkrankungen waren dort schon im Februar aufgetreten, offiziell wurde der erste Krankheitsfall am 7. März gemeldet, das Land Tirol veranlasst am 10. März Lokalschließungen, am 13. März wurden von der österreichischen Regierung Ischgl und das Paznauntal zum Risikogebiet erklärt und unter Quarantäne gestellt, ab 16. März wird in Europa bekannt, dass Skitouristen, die im Paznauntal auf Urlaub waren, den Virus in ihren Heimatländern effektvoll unter die Leute bringen, erst am 19. März wird die Quarantäne über ganz Tirol verhängt.

Will man in Tirol jetzt auch mit der südafrikanische Virus-Variante die damalige Vorgangsweise ausprobieren?

Entnommen bei www.atheisten-info.at




Epilepsie und Dämonen, Predigt am Sonntag

Mk 1,29-39: Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen. Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war. In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Heute vertreibt der Jesus wieder einmal epileptische Anfälle, deren Ursache man damals klarerweise nicht kannte und darum daraus Dämonenbesessenheiten machte. Heute kann man diese Krankheit doch etwas besser behandeln, in Wikipedia heißt es dazu: „Ein epileptischer Anfall ist eine Folge plötzlich auftretender, synchroner elektrischer Entladungen von Nervenzellen (Neuronengruppen) im Gehirn, die zu unwillkürlichen stereotypen Bewegungs- oder Befindensstörungen führen.“ Das hat der Jesus natürlich noch nicht gewusst – auch als allwissender Gottessohn hatte er kein göttliches Wikipedia. Epilepsie gibt’s in vielen Varianten, ihre Behandlung ist auch heute noch schwierig, aber für Dämonen hält die Nervenzellenentladungen heute niemand mehr (außer vielleicht bei den Evangelikalen, die könnten noch dumm genug dafür sein…).

Aber das nur nebenbei, was sagt der Herr Bischof Schönborn dazu? Er befasst sich mit der Jesusbegegnung und schließt seine Predigt so: „Ich versuche, in meiner Vorstellung mich in die Menge hineinzuversetzen, Jesus zu sehen, zu spüren. Ich lese das Evangelium gerne so, als wäre ich Augenzeuge, als dürfte ich jetzt dabei sein. Und in gewisser Weise stimmt das auch. Was damals geschah, bleibt gegenwärtig. Im Glauben kann ich daran teilnehmen. Das wird mir besonders deutlich bei dem, was nun folgt: Jesus schleicht sich in aller Früh aus dem Haus und geht aus dem Ort hinaus an einen einsamen Platz, um zu beten. Im Stillen möchte ich mit Jesus gehen, beobachten, wie er da ganz alleine betet. Was geschieht da? Wie betet er? Was bewegt sein Herz? Er schweigt darüber. Aber eines ist spürbar: Hier ist seine tiefste Quelle. Aus ihr schöpft er. Daher kommt seine Kraft, die viele Menschen heilt. Daher stammen seine Worte, die so tief berühren. Das lässt uns ahnen, worum es Jesus wirklich geht: Dass möglichst viele Menschen Zugang zu dieser Quelle finden, zu dem, den er einfach Vater nennt. „Alle suchen dich“, sagen ihm die Jünger, als sie ihn finden. Genau deshalb hat er sich zu uns auf den Weg gemacht, bis heute.“

Ein Kardinal muss natürlich an seine Religion glauben! Darum ist für ihn die Bibel ein Tatsachenbericht! Dass sein Jesus der Sohn Gottes und die zweite Falte im dreifaltigen Christengott ist, thematisiert er nicht. Warum sollte die zweite Falte zur ersten Falte beten müssen? Und warum wundert sich der Schönborn darüber, dass der Gottessohn Jesus seinen Vater einfach Vater nennt? Beim Kreuzzeichen heißt die dazugehörige Betfloskel „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, amen“. Jeder Beter nennt den Gottvater „Vater“! Das Problem dabei ist es allerdings, dass es keine Götter gibt, auch keine miteinander verwandten dreifaltigen. So das genügt! Weil unsereiner kommt ja problemlos gottfrei zurecht! Auch als chronisch Kranker!

Entnommen bei www.atheisten-info.at




HAPPY BIRTHDAY (20) WIKIPEDIA!

Rezension Dr. Gerfried Pongratz: Pavel Richter: „Die Wikipedia Story“ © Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2020, ISBN 978-3-593-51406-2, 231 Seiten.

Biografie eines Weltwunders“ lautet der Untertitel und „Eine (fast) unmögliche Erfolgsgeschichte“ steht am Deckblatt eines Buches, das die universelle Bedeutung der größten Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte anhand ihrer Organisation, Prinzipien und Regularien beschreibt. Pavel Richter, Wikipedianer der ersten Stunde und 5 Jahre CEO von Wikimedia Deutschland, beleuchtet – spannend und tiefgründig – ein einmaliges Experiment: Das gesamte Wissen der Menschheit sammeln und allen Menschen frei zur Verfügung stellen.

Als am 15. Januar 2001 der US-amerikanische Internet-Unternehmer Jimmy Wales mit „hello, world“ die ersten Worte in die Webseite „wikipedia.com“ tippte, konnten weder er, noch sonst jemand sich vorstellen, was daraus in kurzer Zeit entstehen wird. Aktuell rangiert Wikipedia unter den Top 10 aller Webseiten weltweit; in 309 Sprachversionen wurden (Stand Mai 2020) 55,5 Millionen Artikel publiziert, wobei z.B. die 2,5 Millionen deutschsprachigen Artikel 37 Millionen und die 6,6 Millionen englischsprachigen Artikel 333 Millionen Seitenaufrufe pro Tag verzeichnen.

Wikipedia (WP) kann als Enzyklopädie in der Tradition von Denis Diderot, verbunden mit der Technik des 21. Jahrhunderts, beschrieben werden, wobei als Grundprinzipien eine rein sachliche Darstellung des Weltwissens ohne Wertung sowie eine wissenschaftlich gesicherte Relevanz mit ausreichender Belegbarkeit durch reputable Quellen festgelegt wurden. Jede einschlägig kompetente Person – Expertentum ist keine Voraussetzung – kann in einer Produktionsgemeinschaft von Nutzerinnen und Nutzern Artikel hinzufügen, bearbeiten, verbessern. Für die Mitarbeit darf es keine zu hohen Schranken geben, die publizierten Inhalte müssen ohne zusätzliche Erläuterungen verständlich sein.

2003 endete die Startphase von WP mit der Festlegung, dass sie eine von Ehrenamtlichen getragene Enzyklopädie ohne Werbung oder sonstige Kommerzialisierung bleiben soll. In ihrer deutschen Version entstehen dzt. pro Tag ca. 600 Artikel. Mit einem ausgeklügelten System von Kontrollen und Qualitätsverbesserungsmaßnahmen wird auf mehreren Ebenen durch erfahrene Autoren/Autorinnen, die als Sichter, Administratoren und Schlichter tätig sind, an der Verbesserung der Inhalte gearbeitet. Auf einer Diskussionsseite jedes Artikels werden dazu Debatten geführt, die gelegentlich mehrere Hundert Seiten umfassen. Dem Korrigieren von Fehlern und der Abwehr von oftmals unterschwelligen Manipulationsversuchen und Vandalismus durch gezielt platzierte Falschinhalte, ist ein guter Teil der Bearbeitungen gewidmet; in gemeinsamer Abstimmung aller Beteiligten werden dabei auch Artikel gelöscht. Die mit der Qualitätssicherung verbundenen, sehr zahlreichen Regularien machen es Neulingen nicht leicht, an WP mitzuarbeiten; der Autor beklagt dies als Manko und bedauert dazu auch, dass der Frauenanteil unter den WP Autoren nur 10% beträgt.

WP dient nicht der Theoriefindung, sondern der Theoriedarstellung. Es wird Wissen vermittelt, das aktuell – als Zusammenfassung des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Konsenses – als gesichert gilt. Strittige Themen wie z.B. Homöopathie, Astrologie, Esoteriken werden ebenfalls behandelt, wobei WP den dazu jeweils vorhandenen Kenntnisstand und wissenschaftlichen Konsens, oder Nichtkonsens, beleuchtet. Verschwörungstheorien, wie auch andere Themen, für die es kein gesichertes Wissen, bzw. keinen Konsens gibt, werden mit dem aktuellen Stand der Debatten sachlich neutral dargestellt. WP will kein Sammelsurium sein, sondern eine Auswahl dessen, was wirklich wichtig ist, bieten; zu dieser Frage gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten, die mit „Relevanzkriterien“ gelöst werden sollen, wobei die Frage „Ist das relevant für eine Enzyklopädie?“ meist hinter „Gibt es gute Quellen und Belege?“ zurücktritt.

In den Kapiteln Organisation und Finanzen beschreibt der Autor die Rahmenbedingungen der Wikimedia-Bewegung. Neben der Wikimedia Foundation in San Francisco gibt es mittlerweile 39 Wikimedia-Tochtergesellschaften (Chapter) auf allen fünf Kontinenten, die den Grundanliegen „Freiwillige fördern, Rahmenbedingungen verbessern, Teilnahme an Wikimedia-Projekten ermöglichen“ folgen. Neben der Enzyklopädie Wikipedia existieren derzeit auch noch 15 größere und zahlreiche kleinere Schwesternprojekte, von denen Regiowiki, Wiktionary, Wikisource, Wikiquote, Wikiversity, Wikibooks, Wikinews und vor allem auch Wikimedia Commons, mit über 60 Millionen freien Mediendateien, große Bedeutung besitzen. Ein besonders expansives Projekt bildet das von Wikimedia Deutschland entwickelte „Wikidata“; es stellt maschinenlesbare Kontexte zwischen Informationen her und bildet komplexe Abhängigkeiten ab; derzeit umfasst es über 90 Millionen Datenbank-Einträge; die darin strukturierten Daten bilden das Rückgrat einer Technologierevolution durch künstliche Intelligenz.

(An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es im Netz zahlreiche „Wikis“ (z.B. „WikiLeaks“) gibt, die mit der Wikimedia-Stiftung in keinerlei Verbindung stehen; das hawaiische Wort „wiki“ bedeutet „schnell“; es kann von jedermann verwendet werden. Echte Wikimedia-Projekte erkennt man an ihren Logos, bei WP ist es der unvollendete Globus aus Puzzleteilen).

Die Finanzierung der Wikimedia Foundation mit all ihren technischen Einrichtungen und über 500 hauptamtlichen Mitarbeitern – 200 davon sind Programmierer – erfolgt zum größten Teil über Spenden und in kleinem Ausmaß über Mitgliedsbeiträge, im Finanzjahr 2018/2019 wurden 112 Millionen Dollar eingenommen. Online-Fundraising ist angesichts der weltweit 13 Milliarden Seitenaufrufe pro Monat nicht schwierig, im Schnitt werden pro Jahr 23 Dollar von Einzelpersonen gespendet.

„Stell dir eine Welt vor, in der jeder Mensch frei und kostenlos an der Summe allen Wissens teilhaben kann“ lautet die Mission der Wikimedia Foundation. Die Fähigkeit, Menschen für diese Idee zu begeistern und zu ehrenamtlicher Mitarbeit zu motivieren, stellt das Erfolgsgeheimnis von WP dar. Ihre prinzipielle Offenheit für alle Menschen als Autoren – allein in Deutschland gibt es ca. 900 000 Bearbeitungen pro Monat – bildet ein Bollwerk gegen Bestrebungen, Inhalte zu kontrollieren und/oder unter kommerziellen Gesichtspunkten zu manipulieren. In der digitalen Transformation als grundlegendem Wandel aller Bereiche unseres Lebens, bzw. unserer Gesellschaften, wird die Macht zentralistischer Internetgiganten wie Google, Facebook, Amazon, Alibaba etc. immer größer, die ohne kommerzielle Interessen agierende Wikipedia bildet dazu einen wichtigen Gegenpol.

Im Kapitel „Blick hinter die Kulissen“ beschreibt Pavel Richter die komplizierten Abläufe der Organisation und Qualitätssicherung, aber auch der Machtfragen im Hintergrund des Geschehens. Zusammenarbeit und Beratungen sind das zentrale Organisationsmodell von WP; Entscheidungen werden stets im Konsens getroffen, was manchmal lange dauert und deshalb Autoren, die über viel freie Zeit verfügen, auch Macht verleiht. Weitere indirekte Machtfaktoren bilden ein hoher Bildungsgrad, gute schriftliche Ausdrucksfähigkeit und hohes Engagement. Fachwissen ist nur bedingt ein Machtfaktor, da als zentrales Erfolgsprinzip gilt, dass jede dazu fähige Person gleichberechtigt an WP mitarbeiten kann.

Dass ein so bedeutendes, weltumspannendes Projekt wie WP auch vielen Manipulationsversuchen ausgesetzt ist, versteht sich fast von selbst. Ein eigens Kapitel „Stalins Badezimmer: Fehler, Fakes und Fantasien“ ist diesem Thema gewidmet. Der Autor berichtet humorig von versuchten, aber auch gelungenen Tricksereien und Manipulationen, denen WP manchmal erst mit großer Verzögerung auf die Schliche gekommen ist. Da für WP ein hoher „Kompetenzvermutungseffekt“ gilt und manche Artikel über Firmen, Politiker und sonstige Personen des öffentlichen Lebens unzählige Male aufgerufen werden, besteht für diese oftmals der Wunsch, besonders günstig dargestellt zu werden. WP ist sehr bemüht, dies zu verhindern; das Prinzip „Falsifikation“ gilt für alle Artikel; sie stehen stets in Kritik, sind nie ganz abgeschlossen, werden laufend überwacht.

Die Wirkmächtigkeit von WP ist unbestritten und wird von vielen Bildungseinrichtungen, Kultur- und sonstigen Instituten sowie auch von Medien immer wieder bestätigt, z.T. auch kritisiert. Das Zitieren von WP Artikeln in wissenschaftlichen Arbeiten war in der Vergangenheit meist verpönt, wird aber neuerdings von immer mehr Universitäten und wissenschaftlichen Instituten unter bestimmten Regeln (z.B. mit dem jeweiligen Abrufdatum versehen) zugelassen. Dass WP Artikel auch in Gerichtsurteilen (z.B. in D und Ö bereits über 600 Mal) Eingang finden, liegt ebenfalls an ihrer Vertrauenswürdigkeit, die der Schwarmintelligenz der Autoren zuzuschreiben ist.

Wikipedia ist, wie der Rezensent als passionierter Nutzer, aber auch als WP-Autor, aus eigener Erfahrung weiß, aus dem Alltag sehr vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Das vorliegende Buch gibt einen guten Überblick zur Idee, Organisation und Gestaltung des Projektes – wie es funktioniert, was es leistet, was es aber auch nicht leisten kann. Es lässt die komplexen Abläufe und Regelungen hinter den Kulissen verstehen und nennt damit verbundene weitere Projekte, die z.T. bereits jetzt große Bedeutung besitzen und in Zukunft voraussichtlich noch viel bedeutender sein werden. Pavel Richter versteht es sehr gut, das Thema in all seinen Facetten dazustellen; dem Buch ist weite Verbreitung zu wünschen, Schülern, Studenten sowie allen an Wissen und Wissensvermittlung interessierten Personen sollte es besonders ans Herz gelegt werden – nicht zuletzt mit der Absicht, sie zu aktiver Mitarbeit am weltumspannende Projekt Wikipedia/Wikimedia zu motivieren.

Gerfried Pongratz 2/2021




Die neue Seidenstrasse: Chinas Weg zur Weltmacht

Rezensin von Dr. Gerfried Pongratz:

China will zeigen, dass das westliche System marode ist und das chinesische Modell mit seinem von oben nach unten gelenkten Staatskapitalismus bestens funktioniert“.

Patrick Rohr: „Die neue Seidenstrasse: Chinas Weg zur Weltmacht“ Eine fotojournalistische Reise, © Orell Füssli Verlag, Zürich, 2021, ISBN 978-3-280-05731-5, 256 Seiten.

In das Land China kann man sich leicht verlieben. Doch besser, man tut es nicht, denn man könnte enttäuscht werden“. Der im Auftrag von Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen in Krisen- und Entwicklungsgebiete reisende Schweizer Fotojournalist Patrick Rohr beschreibt einige an der neuen Seidenstraße liegende Länder und geht dabei der Frage nach, was es bedeutet, von China ausgehend verkehrstechnisch und infrastrukturmäßig verbunden, bzw. erschlossen zu werden. Er reflektiert die dabei entstehenden Abhängigkeiten und Risiken und analysiert, inwieweit dieses Jahrhundertprojekt den angeschlossenen Ländern zu Prosperität und Frieden verhilft, so wie es Chinas Präsident Xi Jinping beim Start 2013 verkündet hatte, oder ob es vor allem nur China nützt und „die Welt sehenden Auges ins Verderben stürzt“.

In Anlehnung an die historische Seidenstraße, dem über 2000 Jahre alten Netz von Handelsrouten zwischen Europa und Asien, werden von China in den beteiligten Ländern Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen, Flughäfen und Logistikzentren gebaut, bzw. vergrößert und renoviert. Einen großen Teil der Projekte finanziert China direkt, andere Teile unterstützt es mit großzügigen Krediten, was die Empfängerländer in finanzielle Abhängigkeit bringt und China ermöglicht, Druck auszuüben, um seine wirtschaftlichen und politischen Interessen durchzusetzen.

Die neue Seidenstraße besteht aus drei Hauptkorridoren, Patrick Rohr folgt dem mittleren, dem Eurokorridor, in dem er sechs Länder – China, Kirgisistan, Türkei, Rumänien, Ukraine, Polen – bereist und mit Länderporträts beschreibt. Das Buch erhebt nicht den Anspruch, das jeweilige Land in umfassender Vielfalt zu zeigen; der Autor ist stattdessen bemüht – neben wichtigen Daten zu Geschichte, Wirtschaft, Kultur etc. -, vor allem dessen aktuelle Herausforderungen darzustellen und gleichzeitig die mit dem Projekt Seidenstraße verbundenen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen zu beleuchten: „Stehen sich da nicht Religionen, Ideologien und Systeme gegenüber, die sich kaum je verbinden lassen?“

Beginnend bei China entwickelt Patrick Rohr einen großen Erzählstrom, der, ergänzt mit aussagestarken Fotos, von zahlreichen anregenden, spannenden und berührenden Begegnungen erzählt und dabei Einblicke in das Leben der Menschen, in ihre Hoffnungen und Wünsche, ihre Sorgen und Nöte, aber auch in ihre kleinen und großen Freuden und Leiden gewährt. Ein großes Talent des Autors besteht darin, dass es ihm anscheinend mühelos, oftmals spontan, gelingt, Begegnungen herzustellen und dabei Freundschaften mit Menschen verschiedenster Alters-, Einkommens- und Bildungsstufen zu schließen. Zusätzlich waren ihm auch Journalistinnen und Journalisten der betreffenden Länder behilflich, kompetente Gesprächspartner zu finden.

Die Beschreibung Chinas mit den Lebensumständen der ca. 1,4 Milliarden Menschen verdeutlicht die Zwiespältigkeiten, in denen sich das Land befindet; es hat viele Gesichter, Kommunismus und Kapitalismus bilden keine unüberwindbaren Gegensätze. Neben gewaltigen technologischen, wirtschaftlichen, auch sozialen Fortschritten – mit Produktionsmethoden, in denen Zwölf-Stunden-Schichten normal sind -, herrschen rigorose Zensur und repressive Überwachung, die allerdings nach Ansicht des Autors von einem Großteil der Bevölkerung gutgeheißen werden. Die meisten Menschen leben gut mit Widersprüchen, bzw. haben sich damit abgefunden – das alte Prinzip „Brot und Spiele“ wird von der Regierung meisterhaft gehandhabt. Bei seinen Erkundungen und Gesprächen trifft der Autor auf moderne, neugierige und offene Menschen, wobei ihn besonders die von allen Seiten entgegengebrachte, überwältigende Gastfreundschaft beeindruckt. Das Projekt „Neue Seidenstraße“ wird bei nahezu allen Begegnungen von nahezu allen Gesprächspartnern mit Stolz und Begeisterung begrüßt – ihn befällt dabei großes Unbehagen und er fragt sich, „ob die Welt, ob die Menschen entlang der neuen Seidenstraße wissen, was auf sie zukommt, wenn China erst einmal richtig losgelegt hat“.

Die Beschreibungen der weiteren vom Autor besuchten Länder können hier nur sehr eingeschränkt wiedergegeben werden; in allen Destinationen erlebte er Gespräche und Situationen, die ihm das jeweilige Land nicht nur wissensmäßig, sondern auch emotional näher brachten:

In Kirgisistan, ein wunderschönes Land, das sich politisch allerdings in Aufruhr befindet, blüht der Handel; als junge zentralasiatische Demokratie baut das Land gerade erfolgreich eine eigene Textilindustrie auf – möglich gemacht wird dies durch die neue Seidenstraße, über die nicht nur Güter, sondern auch viele Ideen kommen.

Mit der Türkei beschreibt Patrick Rohr ein Land im Wandel hin zu „alle Macht den Starken“; er erklärt die geografischen, kulturellen, geschichtlichen sowie aktuell politischen Gegebenheiten und Probleme, die nicht zuletzt aus der Islamisierung und der Kurdenfrage resultieren. Das Land „rollt für die Seidenstraße den Teppich aus“; die Liste chinesischer Vorhaben wird immer länger, so z.B. investiert China 1,7 Milliarden US-Dollar in den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes, auch soll ein drittes türkisches Atomkraftwerk von China gebaut werden.

Rumänien bezeichnet der Autor als „Land der großen Träume“, es hat sich noch nicht von der kommunistischen Diktatur erholt und leidet schwer unter seiner Geschichte. Die Armut ist groß, neben der EU soll China die Rettung bringen. Gespräche mit klugen, aufgeschlossenen Menschen erweitern auch hier das Verständnis der gravierenden Probleme des Landes, zu denen u.a. das niedrige Bildungsniveau gehört, über 40% der jungen Menschen sind funktionale Analphabeten. Chinas geplante große Investitionen – z.B. in den Hafen von Konstanza am Schwarzen Meer – gehören zur Rubrik der großen Träume.

Die Ukraine und Polen beschließen die Länderporträts, die Anbindung an die neue Seidenstraße wird in beiden Staaten überwiegend positiv bewertet. In der Ukraine haben die Menschen unter der Sowjetherrschaft schwer gelitten; nach dem blutig beendeten Aufstand herrschte Chaos im Land. Obwohl Krieg, Korruption und der große Einfluss der Kirche die Entwicklung behindern, blickt man erwartungs- und hoffnungsvoll in die Zukunft; so entstehen z.B. im ganzen Land IT-Cluster auf höchstem Niveau. In Polen tobt ein heftiger Kampf zwischen religiös bestimmtem Konservativismus und westlichem Liberalismus. Mit der katholischen Kirche im Rücken verhindert die Regierungspartei sozialen Fortschritt, eine stärker werdende Zivilgesellschaft wehrt sich immer heftiger dagegen.

„Die neue Seidenstrasse: Chinas Weg zur Weltmacht“ vermittelt umfassendes Grundwissen zum chinesischen „Jahrhundert-„, manche Fachleute meinen sogar „Jahrtausendprojekt“. Neben Geschichte, Geografie, Politik etc. beschreibt der Autor Alltagssituationen wie auch kritische Entwicklungen in den von ihm bereisten Ländern. Im Kapitel „Schlusspunkt“ des Buches analysieren Experten die Wirtschaftsoffensive Chinas: Im Seidenstraßenprojekt gehe es nicht zuletzt auch um einen Wettbewerb zwischen dem westlichen und chinesischen System: „China will zeigen, dass das westliche System marode ist und das chinesische Modell mit seinem von oben nach unten gelenkten Staatskapitalismus bestens funktioniert“. Das Buch bietet als fotojournalistische Reise nicht nur explizites Wissen mit interessanten Einblicken und Erkenntnissen, sondern gleichzeitig auch kurzweilige Lektüre.




Humanistik und Philosophie

Erster Jahresband „Humanistik und Philosophie“ liegt vor, Rezension von Siegfried R. Krebs:

WEIMAR. (fgw) Die Humanistische Akademie bei der Humanistischen Vereinigung (Sitz Nürnberg) hat mit der jetzt vorliegenden Publikation „Humanistik und Philosophie“ eine neue Reihe von Jahresbänden gestartet.

Das Positive an diesem Band, wie auch an der neuen Reihe, ist, daß es sie überhaupt gibt. Denn die Zahl humanismusbezogener Publikationen hierzulande ist nicht bloß überschaubar, sondern viele Thematiken sind immer noch mehr oder weniger ausgeblendet. Zu bemängeln an diesem ersten Jahresband ist, daß hierin zumeist Leute aus dem akademischen Elfenbeinturm für andere Leute in demselben Elfenbeinturm geschrieben haben. Es sollte doch aber möglich sein, auch komplizierte Sachverhalte verständlich zu beschreiben. Wie denn sonst wollen die humanistischen Organisationen Mitglieder und Sympathisanten gewinnen? Mit abgehobenen, abstrakten Reden und Schriften kann man doch keine Menschen aus der Normalo-Welt erreichen und ansprechen!

Herausgeber Frank Schulze geht in seinem Vorwort auf die Zielstellung des Projektes ein. Und betont, daß ausgerechnet mit dem ersten Jahresband hiervon abgewichen werden mußte – bedingt durch die verordneten Einschränkungen wegen der Covid-19-Pandemie. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge widerspiegeln die geplanten Veranstaltungsaktivitäten der vergangenen zwölf Monate und beziehen sich auf Vorträge zu Philosophie, Politik, Gesellschaft und Kunst, die im Rahmen von Philosophischen Frühstücken und Cafés, Abendveranstaltungen, Lichtfesten und Symposien gehalten und diskutiert werden sollten. Damit jedoch kein zeitlicher Reibungsverlust eintritt, hat man nun die vorgesehenen Redebeiträge dem Publikum in Schriftform zur Verfügung gestellt.

Der Sammelband ist in drei Abschnitte mit je vier bzw. fünf Beiträgen gegliedert. Im Abschnitt „Philosophie und Kunst“ befinden sich Texte von Franz Josef Wetz („Wie ist der Mensch möglich? Hans Blumenberg zum 100. Geburtstag“), Maike Riedinger („Unbekannte Welten erforschen. Alternative Ansätze der Darstellung nicht-menschlichen Lebens in Star Trek“), Wolfgang Buschlinger („Denk-Kapriolen?! Zum Erkennnisgewinn von Gedankenexperimenten“) und Robert Zimmer („ Offene und geschlossene Gemeinschaft. Ein Versuch, Poppers Sozialphilosophie weiterzudenken“). Gerade Letzterer kann zur aufmerksamen Lektüre empfohlen werden, während die Texte von Wetz und Buschlinger einfach zu verquast sind. Auch für Leser mit geisteswissenschaftlichen Uni-Diplom! Maike Riedingers Beitrag bietet gute Denk-Ansätze, läßt aber doch etwas ratlos zurück: Warum gilt das hierin Postulierte in der realen christlich-weißen Welr nicht für Menschen und Kulturen im Trikont?

Den Abschnitt „Politik und Kunst“ bestreiten Frederick Herger („Odoliberalismus. Reflexionen über Vergangenenheit und Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft“), Thomas Galli („Knast oder Heimat? Geflüchtete zwischen Recht und Unrecht“), Bruno Heidelberger („Pandemie des Autoritarismus – antimoderne und antidemokratische Querfronten“) und Otto Böhm („Internationale Strafgerechtigkeit – eine Idee in der Krise?“). Hergers Beitrag ist mit großem Interesse zu lesen, sagt er doch viel richtiges und stellt auch gute Fragen in den Raum. Aber sein Text enthält auch viel fragwürdiges und sogar illusorisches. Doch gerade damit kann eigenes Weiterdenken befördert werden. Beim Lesen von Gallis Schilderung eines konkreten, realen Falles stockt einem das Blut! Wie die bundesdeutsche Justiz, die sich doch als das non-plus-ultra der Welt sieht, mit einem tatsächlichen Unschuldigen umgesprungen ist, das schreit förmlich nach widerständiger Zivilcourage. Böhms Aussagen dagegen sind weitgehend illusorisch und im Kern leider doch nur Propaganda für die christlich-weiße Selbstgerechtigkeit gegenüber unliebsamen Politikern und Regierungen außerhalb des Machtbereiches von NATO und EU.

Der vierte Abschnitt hat Bertrand Russell (1872-1970) zum Schwerpunkt. Zunächst schreibt Joachim Kahl über Russells skeptische Lebensweise und Interpretationen des Vorwortes zu dessen Autobiographie. Das ist wohl der beste und tiefschürfenste Beitrag in diesem Sammelband, denn hier geht es sehr konkret um Humanismus und Humanistik! Gleiches kann zu Martin Morgenstern („Russells Religionskritik“) gesagt werden. Lesenswert ebenfalls der Text von Rudolf Lüthe („Vom Wert des Zweifels. Anmerkungen zur skeptischen Grundorientierung der Philosophie Bertrand Russells“). Daß Russell durchaus auch weltfremd und voller naiver Illusionen war, zeigt sich bei Wulf Kellerwessel („Russells Kritik am Nationalismus und seine Idee einer Weltregierung“). Den mit Abstand schwächsten Text hat Armin Pfahl-Traughber beigesteuert („Russells Sozialismus-Verständnis. Entwicklung und Positionen eines antikommunistischen und demokratischen Sozialisten“). Hierin arbeitet sich der in der humanistischen Szene leider unvermeidliche Autor mit inlandsgeheimdienstlichem Hintergrund primär an seinem eigenen beamteten, staatstragenden Antikommunismus ab.

Ungeachtet aller Einschränkungen soll dieser erste Jahresband aus Nürnberg empfohlen werden. Und – er macht durchaus neugierig auf hoffentlich viele Folgebände.

Siegfried R. Krebs

Frank Schulze (Hrsg.): Humanistik und Philosophie 1 – Jahresband der Humanistischen Akademie 2020. 310 S. Taschenbuch. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2020. 20,00 Euro. ISBN 978-3-86569-216-0

24.01.2021
Von: Siegfried R. Krebs




Theologe sieht Neuerfindung des Katholizismus

Darüber berichtete am 21.1.2021 evangelisch.de – hier der Bericht mit atheistischen Kommentaren:von Erwin Peterseil (www.atheisten-info.at)

evangelisch.de: Dem Wiener Theologen Ulrich Körtner zufolge erfindet sich die katholische Kirche möglicherweise gerade neu. Konsequent zu Ende gedacht könnte dies „auf die Entstehung einer weiteren deutschen katholischen Nationalkirche hinauslaufen“, heißt es in einem Beitrag des Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien für das Magazin „zeitzeichen“ (Januar) mit Blick auf die im 19. Jahrhundert entstandene altkatholische Kirche. „Das ist zwar ganz gewiss nicht das Ziel der Reformer“, so Körtner: „Was aber wäre die Alternative, wenn der Reformprozess in der Weltkirche ein deutscher Sonderweg bleiben sollte?“
Atheistischer Kommentar: Das ist wohl nicht anzunehmen, dass in der BRD eine formal nimmer päpstlich-katholische Kirche sich bilden würde, also z.B. ohne Zölibat und mit weiblichen Priestern – insgesamt sind allerdings das Problem nicht die vormodernistischen Elemente in der r.k. Kirche, sondern das sich ausweitende allgemeine religiöse Desinteresse.

evangelisch.de: Reformen, die jetzt in Deutschland im Rahmen des Synodalen Weges gefordert werden, seien in der altkatholischen Kirche längst verwirklicht, sagte Körtner. So sei die altkatholische Kirche synodal und nicht zentralistisch wie die römische Papstkirche. Frauen werden seit den 90er Jahren zu Priesterinnen geweiht und inzwischen segnet die altkatholische Kirche auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften. „Doch statt sich dieser anzuschließen, soll die bestehende römisch-katholische Kirche von innen heraus grundlegend umgestaltet werden, bei gleichzeitiger Beibehaltung des zentralistischen Papstamtes und der Dogmen des 2. Jahrtausends“, gibt Körtner zu bedenken: „Wie das gehen soll, ohne die Grundfesten der römischen Kirche zum Einsturz zu bringen, ist bislang nicht erkennbar.“
Atheistischer Kommentar: Altkatholische gibt es in Europa knapp 70.000 in sechs Staaten. Entstanden ist diese Kirche 1870 aus Protest gegen das damals verlautbarte Papstprimat und die päpstliche Unfehlbarkeit durch Papst Pius IX. Dass sich jetzt die katholische Kirche der altkatholischen anschließt, wird sicherlich nicht zu erwarten sein. Und der Papst wird sicherlich auch nicht abgeschafft werden…

evangelisch.de: Oberflächlich betrachtet scheinen die Reformer Körtner zufolge eine „Protestantisierung der katholischen Kirche“ anzustreben. Aber trotz Gewaltenteilung in der Kirche, Abschaffung des Zölibats, Frauenordination und einer zeitgemäßen Sexualethik befinde sich auch die evangelische Kirche in einer Krise. „Trotz demokratischer Kirchenstrukturen, Pfarrerinnen auf der Kanzel und einer liberalen Sexualethik kehren ihr massenhaft Mitglieder den Rücken zu“, so Körtner. Kritiker des Synodalen Weges hielten den Reformprozess daher für eine Auflösungserscheinung. Körtner: „Ihrem konservativen Kirchen- und Glaubensverständnis gemäß hat die katholische Kirche durch ihre Protestantisierung kaum etwas zu gewinnen, dafür aber viel und Entscheidendes zu verlieren, nämlich ihre sakramentale Substanz und damit gewissermaßen ihren Markenkern.“
Atheistischer Kommentar: Ja, die Evangelischen haben das alles, was es bei den Katholiken nicht gibt, trotzdem verlieren die Evangelischen mehr Mitglieder als die Katholischen. In der BRD verloren von 1990 bis 2019 die Katholiken 8,2 % der Kirchenmitglieder, bei den Evangelischen waren es 12 %. Religiöse Liberalität bindet nicht gut.

evangelisch.de: Mit Blick auf Bemühungen für ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken erklärte Körtner: „Der Ökumene täte es aber gut, gemeinsam eine Denkpause einzulegen, statt den eingeschlagenen Weg unverdrossen weiterzugehen, auf dem ein erneutes Scheitern vorprogrammiert ist. Für die evangelischen Kirchen ist das aus meiner Sicht auch eine Frage der Selbstachtung.“ Zur Fortsetzung ökumenischer Bemühungen gebe es allerdings keine Alternative, „gerade in Anbetracht der Kirchenkrise, die je auf ihre Weise die römische wie die evangelischen Kirchen erfasst hat.“ Der Synodale Weg der katholischen Geschwister wecke Sympathien auf evangelischer Seite. Zur ökumenischen Solidarität gehört es aber auch, „Realitätssinn zu bewahren“.
Atheistischer Kommentar: Das mit der Kirchenkrise hat er erkannt, der Herr Professor, die Kirchenkrise wird aber nicht kirchlich verursacht, sondern bildet sich naturwüchsig als Nebenprodukt des Säkularismus! Und den kann man religiös nicht bekämpfen! Neu erfinden lässt sich der Katholizismus auch nicht, eine Verevangelisierung – also Abschaffung von Zölibat und Zulassung weiblicher Priester etc. – brächte keine stärkere, sondern eine lockerere Kirchenbindung. Amen, so ist es!